Baustellenschild auf dem Campus der Universität Magdeburg (c) Jana Dünnhaupt_Universität Magdeburg

Weniger Parkplatz. Mehr Campus.

Wo früher Autos standen, wird heute gelehrt gelernt und diskutiert. Wo Asphalt dominierte, entstehen grünere Wege und Orte zum Bleiben. Und unter der Erde sorgt eine neue Energieversorgung für mehr als 90 Prozent weniger CO₂ bei Wärme und Kälte. Die Uni Magdeburg baut den Campus am Universitätsplatz grundlegend um – für rund 13.000 Studierende, internationale Talente und eine Universität, die auch räumlich fit für die Zukunft sein will.

Wer heute über den Campus am Universitätsplatz geht, bewegt sich durch mehr als 120 Jahre Baugeschichte. Das Rektoratsgebäude stammt aus dem Jahr 1904, andere Hochschulbauten aus den 1950er Jahren, die Mensa wurde 1977 errichtet, die Universitätsbibliothek 2003 eröffnet. Selbst Teile der Wärmeversorgung stammten noch aus den 1950er Jahren.

Diese gewachsene Infrastruktur fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen, bedeutet deshalb weit mehr als einzelne Gebäude zu sanieren. Mit einem Masterplan für Freiraum und Mobilität entwickelt die Universität den Campus als Studien-, Forschungs- und Lebensort weiter: mit weniger versiegelten und vom Auto dominierten Flächen, besseren Wegen für Fuß- und Radverkehr, mehr Grün und Aufenthaltsqualität – und einer grundlegend erneuerten Energieversorgung.

„Unser Campus ist über 13.000 Studierenden Heimat auf Zeit. Wenn wir weiterhin kluge Köpfe aus aller Welt für Magdeburg gewinnen wollen, müssen wir ihnen Gründe geben, vor Ort zu sein und mehr bieten als gute Hörsäle und Labore: einen Campus, auf dem sie gut ankommen, gern bleiben und Teil unserer universitären Gemeinschaft werden“, betont Rektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan.

Eine Allee statt einer Verkehrsachse

Besonders sichtbar wird der Wandel auf der großen Ost-West-Achse. Wo der Campus bislang vor allem schnell durchquert wurde, wird in den kommenden Wochen eine verkehrsberuhigte Campus-Allee zwischen dem Welcome Center und dem Mensavorplatz fertiggestellt. Ökopflaster verbessert die Regenversickerung, recycelte Rasengitter reduzieren die versiegelte Fläche um 40 Prozent. Neue Fahrradständer und eine optimierte Beleuchtung erhöhen die Sicherheit. Leitstreifen erleichtern Menschen mit Sehbeeinträchtigung die Orientierung; die Allee ist rollstuhlgerecht gestaltet.

Bauarbeiten an der Campus-Allee vor dem Gebäude 16 (c) Jana Dünnhaupt Universität Magdeburg
Bauarbeiten an der Campus-Allee vor dem Gebäude 16. Die Allee verbindet Campus Wellcome Center und Mensavorplatz. (Foto: Jana Dünnhaupt)

 

Auch angrenzende Bereiche werden neu geordnet. Fünf neue Regenwasserzisternen mit jeweils 12.500 Litern Fassungsvermögen speichern Wasser für Bäume, Pflanzen und Grünflächen auf dem Campus. Holzmöbel schaffen Plätze zum Lernen, Ausruhen und Reden, Sportflächen Raum für Bewegung zwischendurch.

„Früher wurde die Campusplanung stark vom Auto her gedacht", so der Baudezernent der Uni, Clemens Klein. „Heute fragen wir: Wo können Menschen gut zu Fuß gehen, Rad fahren, sich treffen oder einfach draußen bleiben? Aus Verkehrsflächen werden so Schritt für Schritt echte Campusflächen.“

Wo Autos standen, zieht Campusleben ein

Wie grundlegend dieser Perspektivwechsel ist, zeigt das neue Studierendenhaus. Es entstand auf einer Fläche neben Gebäude 11, die zuvor als Parkplatz genutzt wurde. Heute gibt es dort Veranstaltungs-, Büro- und Konferenzräume, ein Café sowie Lounge- und Lernbereiche. Vorträge und Seminare finden hier ebenso Platz wie Kultur, Gruppenarbeit oder der spontane Austausch.

Studierendenhaus auf dem Campus am Universitätsplatz mit blühenden Zweigen im Vordergrund (c) Jana Dünnhaupt_Universität Magdeburg
Das Studierendenhaus mit Veranstaltungs-, Büro- und Konferenzräume, einem Café sowie Lounge- und Lernbereichen. (Foto: Jana Dünnhaupt)

 

Eine neue Adresse für die Universität

Ein weiterer Baustein des neuen Campus ist seit September 2024 das Campus Welcome Center neben der Uniporta. Auf rund 1.800 Quadratmetern bündelt es Beratungs- und Serviceangebote für nationale und internationale Studierende sowie Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler. Hinzu kommt ein hochmoderner Standort des Universitätsrechenzentrums. Insgesamt wurden 25,3 Millionen Euro investiert. Für die Uni Magdeburg ist das mehr als ein neues Gebäude, es ist sichtbare und gelebte Internationalität.

Vor dem Eingang zum Campus Welcome Center mit den bunten Säulen (c) Jana Dünnhaupt Universiät Magdeburg
Das Campus Welcome Center neben der Uniporta. Auf rund 1.800 Quadratmetern bündelt es Beratungs- und Serviceangebote für nationale und internationale Studierende sowie Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler. (Foto: Jana Dünnhaupt)

 

Der größte Umbau bleibt fast unsichtbar

Während neue Gebäude und Freiräume sofort ins Auge fallen, steckt eine der größten Veränderungen unter und zwischen den Gebäuden: die neue Energieversorgung. Grundlage dafür ist das Energiekonzept 2020, für dessen Umsetzung das Land Sachsen-Anhalt insgesamt 22,2 Millionen Euro bereitstellte. Anfang 2026 wurde ein entscheidender Schritt vollzogen: Der Campus am Universitätsplatz ging ans Fernwärmenetz der Städtischen Werke Magdeburg. Zusammen mit der neuen Zentralen Versorgungsanlage sowie erneuerten Wärme- und neuen Kältenetzen reduzierte sich der CO₂-Ausstoß aus Wärme- und Kälteerzeugung nach Berechnungen der Universität um rund 2.100 Tonnen pro Jahr, eine Reduktion um über 90 Prozent.

Anschluss der Uni Magdeburg an das SWM-Fernwärmenetz (c) Jana Dünnhaupt
Anschluss der Universität Magdeburg an das SWM-Fernwärmenetz (Foto: Jana Dünnhaupt)

 

Bis zu 7,2 Megawatt Wärmeleistung können über den neuen Anschluss für Heizung und Warmwasser bereitgestellt werden. Wärme, Kälte und Strom werden dabei nicht mehr getrennt, sondern als integriertes Energiesystem organisiert.

 „2.100 Tonnen weniger CO₂ pro Jahr zeigen, welche Wirkung moderne Hochschulinfrastruktur entfalten kann“, sagt die Kanzlerin der Uni, Angela Matthies. „Wir investieren damit nicht nur in Gebäude und Technik, sondern in die Zukunftsfähigkeit unserer Universität.“

Mehr Strom vom eigenen Dach

Parallel wächst die eigene Solarstromproduktion. Anfang 2026 waren auf den verschiedenen Standorten der Universität Photovoltaikanlagen mit insgesamt rund 1.500 Kilowatt peak installiert, unter anderem auf der Universitätsbibliothek, zahlreichen Fakultätsgebäuden, am Standort Barleben und über zwei Tennisplätzen.

Und der Ausbau geht weiter: Am Campus Zschokkestraße sollen Stellplätze mit Solar-Carports überbaut und mit Ladepunkten für Elektrofahrzeuge kombiniert werden. Perspektivisch könnte die installierte Photovoltaikleistung der Universität damit auf rund 2,5 Megawatt peak steigen.

Center for Method Development - CMD mit PV-Anlage in Barleben (c) Jana Dünnhaupt Universität Magdeburg
Photovoltaik-Anlage am Center for Method Development - CMD in Barleben (Foto: Jana Dünnhaupt)

 

Mehr Grün, mehr Bewegung, mehr Raum zum Verweilen: Der Masterplan soll den Campus Schritt für Schritt verändern. Neue Bäume und Campusmöbel gehören ebenso dazu wie Tischtennisplatten. Auch der Platz für ein Beachvolleyballfeld ist bereits gefunden. Es soll zusätzlich Leben auf den Campus bringen.

Erarbeitet wurden die Vorschläge von einer Gruppe, in der alle Interessengruppen vertreten waren – von Professoren bis zu Studierenden. So lassen sich Vorstellungen und Wünsche zu Nachhaltigkeit und Mobilität, Aufenthaltsqualität und einem gesunden Campus in konkrete Arbeitsschritte übersetzen und nach und nach verwirklichen.

Ein Campus, der mehr sein will als Arbeitsort

Campus Welcome Center, Studierendenhaus, Bibliothek, Campus-Allee und neue Energieversorgung mögen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Projekte sein. Zusammen erzählen sie jedoch dieselbe Geschichte: Die Universität verändert nicht nur ihre Gebäude, sondern die Art, wie ihr Campus genutzt wird.

Die Dimension des Umbaus lässt sich bereits beziffern: 22,2 Millionen Euro für die Umsetzung des Energiekonzepts, 91 Prozent weniger CO₂-Emissionen bei Wärme und Kälte, rund 2.100 Tonnen vermiedenes CO₂ im Jahr und perspektivisch etwa 2,5 Megawatt installierte Photovoltaikleistung.

Doch der Wandel lässt sich nicht nur in Tonnen, Megawatt und Quadratmetern messen. Er zeigt sich auch dort, wo früher Autos standen und heute Studierende zusammenkommen, wo Regenwasser für die nächste Trockenperiode gespeichert wird oder wo aus einem Weg über das Hochschulgelände ein Ort zum Bleiben wird.

Schlagworte: Nachhaltigkeit, Campus, Studierendenleben