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21.07.2026 aus 
Forschung + Transfer
Ein Schmuckstück, das im Notfall Hilfe holt

Zwei Absolventinnen, eine gemeinsame Vision und der Mut, aus einer Idee ein Unternehmen zu entwickeln: Julia Pretschner und Hannah Mielke haben sich während ihres Studiums an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg kennengelernt. Heute arbeiten sie gemeinsam an einer smarten Sturzerkennung für Seniorinnen und Senioren, einem System, das Sicherheit gibt, ohne auf den ersten Blick wie ein medizinisches Hilfsmittel auszusehen.

Julia Pretschner studierte an der Universität Magdeburg zunächst Sport und Technik im Bachelor und anschließend Maschinenbau im Master. Während ihres Studiums sammelte sie mehrere Jahre praktische Erfahrung in der Produktentwicklung als Werkstudentin. Mit der Zeit entstand bei ihr der Wunsch, nicht mehr nur an bestehenden Produkten mitzuwirken, sondern selbst etwas zu entwickeln, hinter dem sie vollständig steht.

Hannah Mielke kam ursprünglich aus Kiel nach Magdeburg und studierte Medizintechnik. Nach ihrem Bachelor absolvierte sie einen Master in Rostock mit einem stärkeren Fokus auf Mechanik. Als sie nach dem Studium auf Jobsuche war, meldete sich Julia bei ihr: Sie arbeitete bereits an einer eigenen Idee und suchte eine Mitgründerin mit technischem Hintergrund. Da sich beide aus ihrer gemeinsamen Zeit beim Sport in Magdeburg kannten, war schnell klar: Die Zusammenarbeit passt.

„Was mich überzeugt hat: ein eigenes Produkt mit eigener Kreativität selbst umzusetzen und zu sehen, dass alles, was wir investieren, am Ende auch ein Ergebnis für uns schafft“, sagt Hannah. „Natürlich sind wir nicht die Zielgruppe unseres eigenen Produkts, aber ich fand es spannend, in die Gründungsrichtung zu gehen, eigenverantwortlich zu arbeiten und dabei unglaublich viel Neues zu lernen.“

Der Anstoß für die Gründung hat für Julia einen persönlichen Hintergrund. Ihre Großmutter stürzte und verstarb an den Folgen des Unfalls, auch, weil ein herkömmlicher Notrufknopf in diesem Moment nicht erreichbar war. Julia begann daraufhin zu recherchieren und stellte fest: Viele bestehende Lösungen funktionieren technisch zwar gut, lassen sich aber nur schwer in den Alltag der Menschen integrieren und werden deswegen nicht getragen.

Genau hier setzt die Idee der beiden Gründerinnen an: eine Sturzerkennung, die beispielsweise in eine Kette oder eine Gürtel integriert werden kann. „Das Ziel ist, dass man von außen gar nicht erkennt, dass es eine Sturzerkennung ist“, sagt Julia. Das System basiert auf einer automatischen Sturzerkennung. Der Alarm kann auch manuell durch einen neu entwickelten mechanischen Drehmechanismus ausgelöst oder entschärft werden. Für die Entwicklung wurde gemeinsam mit dem Transfer- und Gründerzentrum (TUGZ) der Universität bereits eine Patentanmeldung eingereicht. Erkennt das System einen Sturz, werden Angehörige direkt über eine App informiert. Wie die genaue Alarmkette künftig aussehen soll, wollen Julia und Hannah gemeinsam mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern testen. Dazu läuft im Moment eine Umfrage für Angehörige, die dazu dient das Produkt und auch die App und das System auf die Anforderungen der Nutzendengruppe abzustimmen.

Der erste Schritt Richtung Gründung begann mit dem EXIST-Women-Stipendium im vergangenen Jahr, dabei handelt es sich um ein Programm, dass Frauen auf dem Weg zur Gründung mit Mentoring, Workshops und auch finanziellen Mitteln unterstützt. Damit konnte Julia ihre Idee parallel zur Masterarbeit weiterentwickeln. Unterstützung erhielten die beiden Gründerinnen außerdem durch das Transfer- und Gründerzentrum der Universität, nicht nur bei der Patentanmeldung, sondern auch durch Mentoring und eine feste Ansprechperson für ihre Fragen rund um die Gründung.

Aktuell bewerben sich Julia und Hannah für weitere Gründungsförderungen, um die Entwicklung voranzutreiben und die nächsten Schritte auf dem Weg zum eigenen Unternehmen zu gehen. „Wir brauchen finanzielle Mittel, um zum einen eine erste Absicherung zu haben und so überhaupt die ersten Schritte zur Unternehmensgründung zu gehen und unseren Prototypen weiter entwickeln zu können“, erzählt Julia.

Obwohl Julia in Magdeburg lebt und Hannah inzwischen in Hamburg, funktioniert die Zusammenarbeit im Alltag vor allem digital über Zoom und Asana. Für wichtige Termine, Pitches oder die Arbeit an Prototypen kommt Hannah regelmäßig nach Magdeburg.

Gerade das Gründungsumfeld der Universität war für die beiden ein entscheidender Faktor, den Unternehmensaufbau hier weiterzuführen. „Die Magdeburger Uni hat einfach super aufgebaute MakerLabs, und wir kannten die Ansprechpartner schon aus unseren Abschlussarbeiten“, erzählt Julia. „Man läuft über den Campus und kann viele Menschen direkt erreichen. Wir wurden teilweise sogar von MakerLabs angesprochen, ohne dass wir vorher Kontakt aufgenommen hatten. Das zeigt, dass man sehr viel Unterstützung bekommt.“ Die MakerLabs der Universität werden auch für die nächsten Entwicklungsschritte wichtig: Dort möchten Julia und Hannah ihre ersten Prototypen bauen und weiterentwickeln. Zusätzlich profitieren sie von der wissenschaftlichen Expertise von Prof. Mathias Hacker-Oschätzchen von der Fakultät für Maschinenbau als Mentor und von Lars Berg und Jakob Vogel von dem MakerLab Additiv+.

Studierenden, die selbst eine Gründungsidee haben, möchten Julia und Hannah vor allem Mut machen. „Traut euch“, sagt Hannah. „Es gibt viele Förderprogramme, die dabei helfen können, den Schritt in die Selbstständigkeit abzusichern. Gleichzeitig lernt man unglaublich viel, weit über die eigentliche Produktentwicklung hinaus.“ Ihr Tipp: Schon während des Studiums offen für Gründungsideen bleiben und die Angebote der Universität frühzeitig nutzen, von Inkubatoren über Beratung bis hin zu Förderprogrammen.

Die Vision für die kommenden Jahre ist klar: „In fünf Jahren wünsche ich mir eine kleine GmbH mit einem gut funktionierenden Produkt, das wir bereits auf eine zweite Zielgruppe ausgeweitet haben. Und vor allem wünsche ich mir ein kleines Team, das fachlich stark und vielfältig aufgestellt ist“, sagt Julia abschließend.