Wer an ein Studium an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg denkt, hat vielleicht zuerst Hörsäle, Bibliotheken und viel Theorie vor Augen. Doch bei einem Studium an der Uni Magdeburg wird auch praktisch gearbeitet und sogar handwerklich angepackt. Doch was tun, wenn für ein Uni-Projekt ein Bauteil fehlt, ein Prototyp entstehen soll oder eine Idee endlich greifbar werden muss? In der Studierendenwerkstatt „Studi-LAB“ der Fakultät für Maschinenbau finden Studierende genau dafür Unterstützung.
Dabei ist das Studi-LAB nicht auf einzelne Studiengänge beschränkt. „Prinzipiell steht das Studi-LAB allen Studierenden und auch Mitarbeitenden der Uni Magdeburg zur Verfügung“, erklärt Dr. Martin Beutner. Er leitet das Projekt seit einem Jahr und unterstützt zusammen mit seinem Kollegen Dirk Rudolph Studierende bei der Umsetzung ihrer Projekte. „Man kann hier Dinge verwirklichen, die mit dem universitären Rahmen zu tun haben, zum Beispiel Studierendenprojekte, Abschlussarbeiten, Praktika oder Forschungsarbeiten. Wenn dafür etwas gebraucht wird, das in der eigenen Werkstatt oder an anderer Stelle nicht umgesetzt werden kann, stehen wir zur Verfügung.“
Auch Lernhilfen oder praktische Modelle können im Studi-LAB entstehen. Rein private Projekte, etwa Möbel für die eigene Wohnung, sind dagegen nur eingeschränkt möglich. „Wenn das wirklich alle wollen würden, würde das Ganze den Rahmen sprengen“, so Dr. Martin Beutner mit einem Lächeln. „Kleinere Anfragen können wir aber trotzdem besprechen.“
Schon 2016 entstand aus einem Vorkurs der Fakultät für Maschinebau die Idee einer Studierendenwerkstatt. Bei diesem Vorkurs konnten angehende Studierende bereits vor Studienbeginn erste Einblicke in Mathematik, Mechanik, Maschinenbau und das praktische Arbeiten bekommen. Dabei zeigte sich: Viele Studierende möchten nicht nur theoretisch arbeiten, sondern auch selbst bauen, ausprobieren und handwerklich tätig werden. Aus diesem Bedarf entwickelte sich der Plan, einen Ort zu schaffen, an dem genau das möglich ist. Aufgrund der Corona-Pandemie verzögerte sich jedoch die Umsetzung. Schließlich wurden 2022 die Räume im Zwischenbau der Versuchshallen 11.1 und 11.2 auf dem Campus vorbereitet. Im Oktober 2023 wurde die Studierendenwerkstatt an diesem Standort offiziell eröffnet und wird seitdem rege genutzt.

Im Studi-Lab ist vor allem der 3D-Druck beliebt. (Foto: Benjamin Güllmar)
Neben dem herkömmlichem Handwerkzeug stehen den Studierenden im Studi-LAB auch besondere Ausrüstung und Materialien zur Verfügung. „Vorrangig wird bei uns 3D-gedruckt, da sind wir relativ gut ausgestattet“, beschreibt Dr. Martin Beutner. „Der Lasercutter wird ebenfalls gut genutzt. Dazu kommt eine breite Palette an Werkzeugen für die Metall- und Holzbearbeitung: Von Werkbänken und Akkuschraubern über Sägen und Bohrmaschinen bis hin zu Schleifgeräten und einer kleinen Lötstation ist einiges dabei. Ich denke, das ist eine gute Grundausstattung für alles, was man braucht, um etwas umzusetzen“, so der Leiter des Studi-LAB.
Finanziert wird die Studierendenwerkstatt vollständig von der Fakultät für Maschinenbau (FMB). Das Werkzeug und eine breite Auswahl an Materialien stehen den Studierenden kostenlos zur Verfügung.
Bei sehr speziellen Anforderungen, etwa besonderen Filamenten für den 3D-Druck oder speziellen Schrauben, müssen Materialien teilweise selbst mitgebracht oder individuell organisiert werden. Auch dann versucht das Studi-LAB aber, eine Lösung zu finden. „Wir sind immer die ‚guten Ermöglicher‘, beschreibt Dr. Martin Beutner die Rolle der Werkstatt. „Hilfe zur Selbsthilfe, nenne ich es dann immer so ein bisschen.“
Genutzt wird die Werkstatt auch in verschiedenen Lehrveranstaltungen und Projekten. Dabei entstehen unterschiedliche praktische Arbeiten: von technischen Konstruktionen über Prototypen bis hin zu kreativen Lösungen für konkrete Aufgaben. In der sogenannten „Egg Challenge“ müssen Studierende der FMB beispielsweise ein Ei automatisiert über eine Strecke und ein Hindernis hinweg befördern.
Auch größere und interdisziplinäre Projekte wurden im Studi-LAB bereits unterstützt. „Ein gutes Beispiel dafür ist ein Flippertisch, der für den Lehramtsstudiengang im Gebäude 40 entstand und auf der Bildungsmesse didacta eingesetzt wurde“, erinnert sich Dr. Martin Beutner. „Dabei arbeiteten technische und pädagogische Perspektiven zusammen.“
Weitere Projekte waren unter anderem Sitzmöbel, eine Brücke, ein Fahrradständer sowie verschiedene 3D-Druck-Objekte. Für den Leiter des Studi-LAB ist aber klar: „Für jeden ist ja das eigene Projekt immer so ein kleines Highlight.“
Wer im Studi-LAB arbeiten möchte, bekommt nicht einfach nur Werkzeug in die Hand gedrückt. Bei Maschinen und Geräten erfolgt zunächst eine Einweisung. Gerade wenn Studierende öfter in der Werkstatt arbeiten, werden sie Schritt für Schritt an die Nutzung herangeführt. Anfangs wird gemeinsam gearbeitet, später können Studierende nach entsprechender Einweisung auch selbstständiger tätig werden. Dabei spielen Sicherheit und Arbeitsschutz eine wichtige Rolle. Schutzbrillen, Gehörschutz und weitere Sicherheitsausstattung werden bereitgestellt. „Wir arbeiten natürlich nach dem Gesundheits- und Arbeitsschutz der Universität“, so der Leiter des Studi-LAB. „Bei den ersten Arbeiten wird besonders darauf geachtet, dass Maschinen richtig genutzt und Schutzmaßnahmen eingehalten werden.“
Für die Zukunft hat Dr. Martin Beutner eine klare Vision. „Langfristig sollen Studierende nicht nur selbst an Projekten arbeiten, sondern auch andere Studierende einweisen und unterstützen“, berichtet er. „Erfahrene Studierende können dann neuere Studierende begleiten. Aber das ist wirklich noch ein Fernziel.“
Neben individuellen Absprachen gibt es in diesem Sommersemester auch erstmals eine offene Öffnungszeit: Jede Woche am Dienstag von 15 bis 18 Uhr können Studierende ohne Anmeldung vorbeikommen. Darüber hinaus ist das Team tagsüber vor Ort erreichbar. „Die Kontaktaufnahme läuft unkompliziert per Mail. Die Studierenden können ihre Idee schildern, anschließend besprechen wir, was möglich ist, welche Materialien gebraucht werden und wie das Projekt umgesetzt werden kann.“, so der Leiter des Studi-LAB abschließend.