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26.01.2026 aus
Campus + Stadt
Nachhaltigkeit in Natur und IT

Stefan Weidner ist gelernter Wirtschaftsinformatiker. Seit 2001 arbeitet er im SAP-Zentrum der Uni Magdeburg und bernahm 2009 dessen operative Leitung. Die mittlerweile fast 50 Mitarbeiter des weltweit grten Zentrums dieser Art entwickeln und betreuen Lernumgebungen fr mehr als 900 Bildungseinrichtungen in 86 Lndern. Seit der Corona-Pandemie mchte Stefan Weidner sein Expertenwissen aktiv und ehrenamtlich einbringen. So nahm er als Bereichsleiter in einem BMBF-Projekt mageblichen Einfluss auf den Prototypen der nationalen Lernplattform Mein Bildungsraum. Durch seine Ttigkeit in diesem Bundesprojekt kam schlielich die Anfrage, ob er sich vorstellen knnte die sich damals bildenden Hochschulallianz EU GREEN zu untersttzen.

Bereits in der Antragsphase brachte der Informatiker die Idee der nachhaltigen Nutzung von IT ein. Seit 2023 leitet er das Arbeitspaket Digitale Infrastruktur. Seine Kollegen des SAP UCC Magdeburg und er identifizieren und vernetzen bestehende Systeme und Services der insgesamt neun europischen Hochschulen der EU GREEN Allianz. Jeder Dozent, Studierende und Verwaltungsmitarbeiter soll sich im Rahmen des Verbundes knftig mit seinem lokalen Hochschulaccount bei den anderen Partneruniversitten einloggen knnen. Nachhaltige IT lebt von der Kenntnis und der gemeinsamen Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur, anstatt jedes Mal lokal neue Hardware oder Software zu installieren, erklrt Weidner.

Zustzlich untersttzt der IT-Mitarbeiter das EU-GREEN Arbeitspaket Sustainable Campus and Wellbeing, das die schwedische Universitt in Gvle leitet. Neben Initiativen zur Bewegung im Alltag oder einem gesunden, internationalen Mensa-Speiseplan ging daraus auch das Projekt Insectopia hervor. Dessen Ziel ist es Eutopien (griechisch: gute Orte) fr Insekten auf den Flchen der neun Partnerhochschulen zu schaffen. Gemeinsam mit Anna von Busse und Ian Averkamp reichte Stefan einen Antrag fr ein OVGU Biodiversittslabor auf dem Magdeburger Unicampus ein. Eine etwa 20m x 20m groe Flche direkt am EU GREEN Pavillon soll schrittweise und gemeinsam mit Interessierten in einen Naturgarten umgewandelt werden. Als naturnaher Mitmach-, Lern- und Arbeitsort soll Magdeburger Brgern gezeigt werden, wie sich im heimischen Garten oder auf dem Wohnungsbalkon insektenfreundliche Biotope, insbesondere fr Wildbienen, schaffen lassen.

Viele denken, wenn sie das Wort Insektensterben hren, automatisch an die nicht einheimische Honigbiene. Diese ist durch die frsorgliche Arbeit der Imker jedoch gar nicht vom Aussterben bedroht. Fr viele unbekannt gibt es daneben tausende Wildbienenarten, die etwa die Hlfte der Bltenbestubung bernehmen. Von den in Deutschland vorkommenden 600 Wildbienenarten ist etwa die Hlfte vom Aussterben bedroht oder stark gefhrdet, klrt Stefan Weidner auf. Seit Sommer 2025 arbeitet der Informatiker mit einem Kernteam aus EU GREEN-Mitgliedern der OVGU sowie interessierten Magdeburger Brgern an der Umsetzung von Naturmodulen. Stefan ist Teamleiter und freut sich, dass so bereits zwei Module fr nhrstoffreichen Boden, eine sogenannte Fettwiese, sowie fr mineralisches Substrat, ein Magerbeet, entstanden sind und neben Insekten auch Nahrung und Nistorte fr Reptilien, Vgel und Kleinsugetieren bieten.

Der Wirtschaftsinformatiker entwickelte sein Passion zum Naturgarten whrend der Corona-Pandemie. Stefan gestaltet im eigenen Garten den pflegeintensiven Sport- und Spielrasen nach und nach in verschiedene insektenfreundliche Biotope um. Ein hufig gemhter Rasen mag fr den menschlichen Betrachter sthetisch und natrlich wirken, fr Bestubungsinsekten ist er genauso wertlos wie eine Betonflche. Unsere Wildbienen finden dort weder Pollen und Nektar noch Rckzugsorte. Darber hinaus erkennen sie nur einheimische Pflanzen, an die sie sich whrend der Evolution angepasst haben. Neben Monokulturen in der Landwirtschaft tragen Kirschlorbeer, Forsythie und Thuja sowie jede Pflanze mit gefllten Blten im eigenen Garten aktiv zum Artensterben bei, erklrt der ehrenamtliche EU GREEN-Mitarbeiter.

Auch in 2026 solle den Magdeburgern aktiv in Workshops oder passiv durch einen kostenlosen Besuch des OVGU Biodiversity Lab veranschaulicht werden, wie einfach sie einen Teil ihres Gartens zu einem pflegeleichten Naturbeobachtungsort machen und so persnlich gegen das Insektensterben wirken knnen. Im Frhjahr sollen ein Sandarium fr in der Erde nistende Wildbienen sowie ein sogenannter Kferkeller angelegt werden und zum Nachbau zu Hause anregen. Die Gesamtflche aller Grten in Deutschland entspricht ungefhr der Ausdehnung der deutschen Naturschutzgebiete. Wrde nur ein Teil davon umgestaltet werden, knnte dadurch die Biodiversitt nachhaltig gefrdert werden, erklrt Weidner. Da viele Wildbienen nur einen Bewegungsradius von wenigen hundert Metern haben, begnstigt die Vielzahl solcher menschlich angelegten Trittstein-Biotope die Verbreitung und Strkung heimischer Insektenpopulationen.

Whrend der ersten sechs Monate haben sich aus dem Biodiversittslabor bereits zwei weitere Initiativen entwickelt. Die Kunstinstallation Green Chairs schlgt die Brcke zwischen der menschlichen und tierischen Perspektive auf Natur, Schnheit und Nutzen. Das Projekt BioUniversity ermglicht es Magdeburger Brgern Pflanzen mithilfe einer App zu erkennen und zu kartographieren, was lokale Biodiversitt oder eben deren Fehlen vor Augen fhrt. Darber frdern Kooperationen mit dem Unigarten MagdeGrn e.V., der Wildbienenallianz Magdeburg sowie mit IkuGa e.V. den fachlichen Austausch, die Vernetzung bestehender Communities und die breite Information der ffentlichkeit.

* EU GREEN ist eine Allianz von neun europischen Universitten. Ziel der Allianz ist es Nachhaltigkeit in Bildung, Forschung, Innovation und Gesellschaft zu frdern.

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Autor:in: Yannick Gieser