Der Maschinenbauer Erik Harnau leitet die Gründerwerkstatt „AWI-Lab“ an der Uni Magdeburg, in der arbeitswissenschaftliche Projekte und Prozesse ausgetüftelt werden können.
16.04.2020 aus 
Studium + Lehre
Arbeitsplatz 4.0

Das AWI-Lab gehört zum Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft und Arbeitsgestaltung und ist eines von 12 Makerlabs auf dem Campus der OVGU. Das sind Freiräume, in denen Projektgruppen die Materialien und Maschinen nutzen können, um ihre Gründungs- und Business-Ideen erproben zu können. Erik studierte vor eineinhalb Jahren noch selbst auf dem Magdeburger Unicampus. Schon früh interessierten ihn technische und mathematische Fächer, weshalb die Entscheidung für das Maschinenbau-Studium leicht fiel. Nach dem erfolgreichen Masterabschluss, assistierte er in der Entwicklungsleitung bei der IFA Haldensleben, einem Unternehmen, das Autoteile herstellt und sammelte dort viele praktische Erfahrungen. Dort machte ihn ein Kollege auf die Stelle an der Uni Magdeburg aufmerksam. „Bei der Arbeit an der Universität hat man schon mehr Gestaltungsspielräume.“, erzählt der Vorwärtsmacher, „Man kann eigene Ideen entwickeln und ausprobieren, ohne sich am Tagesgeschäft einer Firma orientieren zu müssen.“

Im Mai 2018 war es dann soweit. Der damals 26-jährige stand in einem noch nicht ganz fertig eingerichteten Labor – und vor der Herausforderung, die benötigten Geräte zu organisieren. Doch die speziellen Instrumente der „Arbeitswelt 4.0“ lassen sich nicht einfach im Baumarkt nebenan finden; Erik musste Anschaffungen beantragen, Angebote einholen und öffentliche Ausschreibungen verfassen. Schließlich war das AWI-Lab samt drei kleinen Laboren fertig: Das Montagelabor, in dem die Projektteams mit Maschinen und Anlagen arbeiten können; das Pflegelabor, wo Gesundheit und Pflege der Zukunft erprobt wird und das Kommunikationslabor, in dem technische Hilfsmittel für die Interaktion bereitstehen.

Seit es vollständig eingerichtet ist, kümmert sich Erik außerdem um die Öffentlichkeitsarbeit des Labors, gibt Führungen und Seminare und betreut Projekte oder Abschlussarbeiten von Studierenden. Dabei spielt der Studiengang keine Rolle: Jeder, der eine Idee hat und die Geräte in dem Labor brauchen könnte, kann sich dort verwirklichen. Zum Beispiel wie bei dem Experiment, bei dem Psychologie-Studierende testeten, wie Personen im höheren Alter auf moderne Technik reagieren und damit umgehen. Zurzeit begleitet der Vorwärtsmacher ein Projekt, bei dem eine App für die Microsoft „HoloLens“-Brille entwickelt wird. Jeder, der schon einmal ratlos mit einem bebilderten Heftchen vor einem Chaos an Brettern und Schrauben stand, kennt das Problem beim Zusammenbauen von Möbeln. Was wäre, wenn man sich einfach eine Brille aufsetzen könnte, anstatt wie wild in der Bauanleitung umher zu blättern? Die App für die Brille kann jeden Schritt per Hologramm in der realen Umwelt anzeigen. An diesem Arbeitsplatz gehört Fortschritt zum Alltag.

Um immer auf dem aktuellen Stand zu sein, ist es auch wichtig, sich mit neuesten technischen Erfindungen auseinanderzusetzen. „Die Gaming-Branche ist gerade bei VR- und AR-Technologie schon sehr weit entwickelt. Ab und zu schaue ich mir die technische Umsetzung von einigen Spielen genauer an“, erzählt Erik. Sein Arbeitsplatz ist wegen eines großen Fensters zwischen dem Flur, den täglich viele Studierende kreuzen und dem Labor für jeden sichtbar. „Einmal war ich total in ein Spiel auf der HoloLens-Brille vertieft und habe die Hologramme von Raumschiffen um mich herum abgeschossen, bis ich irgendwann bemerkte, dass da eine Gruppe junger Leute vor dem Fenster zum Flur stand“, grinst der Vorwärtsmacher. Zu sehen war ein Typ mit seltsamer Brille auf der Nase, der unsichtbare Objekte bekämpfte. Unangenehm war das dem Absolventen aber nicht. Gehört ja zum Beruf.

Autor:in: Alumniportrait
Quelle: Julia Heundorf
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