18.09.2020 aus 
Studium + Lehre
Mach mal was mit Medien!

Seit dem 7. September 2020 laufen die diesjährigen Madgeburger Medienwochen. Sie sind ein Projekt des Lehrstuhls Medienforschung und Erwachsenenbildung und werden zusammen von Bachelor- und Masterstudierenden der Medienbildung organisiert und durchgeführt. Heranwachsende aus Magdeburg und der näheren Umgebung können bis zum 2. Oktober im Rahmen von sieben „Challenges“ eigene Medienprodukte erstellen und einreichen. Zwei der Studierenden, die die Medienwochen mitorganisiert haben, sind Isabelle und Jean, die beiden studieren Medienbildung im Master. Im Interview sprechen sie über die Medienwochen 2020, über die Herausforderungen für sie persönlich, über ihr Studium und was die Kinder und Jugendlichen dieses Jahr trotzdem alles erleben können.

Isabelle & Jean Beitrag (c) Lena-Marie EubaIsabelle & Jean Beitrag (Foto: Lena-Marie Euba)

Was genau sind die Medienwochen?

Isabelle: Die Medienwochen sind ein medienpädagogisches Projekt für Kindern und Jugendliche, bei denen sie selbst kreativ werden können, indem verschiedene Medienprodukte wie Filme, Comics o.ä. erstellt werden. Sie werden schon seit mehreren Jahren von Bachelor- und Masterstudierenden der Medienbildung zusammen organisiert und durchgeführt.

Was ist in diesem Jahr anders als im letzten? Was sind für euch Vor- und Nachteile der digitalen Medienwochen?

Isabelle: Die letzten Jahre wurden die Kinder bei der Umsetzung aktiv von Bachelorstudierenden der Bildungswissenschaft und Medienbildung unterstützt. Letztes Jahr wurden die Medienwochen außerdem innerhalb einer Woche und in Kooperation mit den Kinderkulturtagen durchgeführt. Dieses Jahr arbeiten wir mit verschiedenen Kinder- und Jugendeinrichtungen in Magdeburg und über einen längeren Zeitraum zusammen. Aufgrund der Pandemie können wir die Kinder außerdem nicht aktiv bei der Umsetzung begleiten. Stattdessen wurden von den Bachelorstudierenden Erklärvideos zu verschiedenen Challenges erstellt, die eine Hilfestellung darstellen sollen. Auch das Prinzip der Challenges ist neu. Es können Stopmotion Filme, Comics, Fotos, Making-Offs oder Werbeclips erstellt werden und wir haben Challenges, bei denen es darum geht etwas Musikalisches umzusetzen, mit der Perspektive der Kamera bei Fotos zu spielen oder einen Trick zu zeigen. Von Vorteil ist, dass dieses Jahr die Zahl der Teilnehmenden nicht auf eine bestimmte Schule oder Klasse beschränkt ist, sondern alle Interessierten etwas einreichen können. Auch die Unterstützung der Jugendclubs ist sehr hilfreich. Von Nachteil ist, dass wir dieses Jahr nicht direkt mit den Kindern zusammenarbeiten können und auch das Erreichen der Kinder und Jugendlichen etwas schwieriger ist.

Jean: Für Teilnehmenden gibt es in diesem Jahr eine Mitmachseite, die mithilfe der Erklärvideos zahlreiche Tipps zur Bewältigung der Challenges geben sollen. Zusätzlich können die Medienprodukte erstmalig in unseren teilnehmenden Jugendeinrichtungen Kinder- und Jugendzentrum Don Bosco, Kinder- und Familienzentrum EMMA, Kinder- und Jugendhaus Magnet, Medientreff Zone! und Kinder- und Jugendhaus Rothenseer Treff erstellt und eingereicht werden. Für Teilnehmende und Interessierte gibt es außerdem am 25.09. jeweils um 11.00 Uhr und um 16.00 Uhr eine Onlinesprechstunde über ZOOM, bei der  gerne nochmal Nachfragen zum Projekt und zu den Einreichungen gestellt werden können. Die Zugangsdaten dafür stehen auch auf der Mitmachseite.

Welche Studieninhalte haben bei der Organisation und Durchführung der Medienwochen besonders geholfen?

Isabelle: Wir haben im Master verschiedene Seminare zu Projektmanagement. In diesem Jahr war es vor allem hilfreich durch verschiedene Vorerfahrungen und die Auseinandersetzung mit agilem Projektmanagement, flexibel auf die Situation reagieren zu können. Die Bachelorstudierenden hatten außerdem Seminare zum erstellen von Erklärvideos und zur Videoproduktion, was natürlich für das Erstellen der Tutorials und Erklärvideos für die Teilnehmenden hilfreich war.

Jean: Zusätzlich konnten wir von den außerstudentischen Vorerfahrungen unseres Organisationsteam im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit profitieren. Gerade Praktika oder berufliche Vorerfahrungen, sowie der erfahrenen, unterstützenden Anleitung durch Herrn Prof. Dr. Johannes Fromme und Frau Josefa Much halfen bei der Strukturierung und der Planung der Medienwochen.

Wie findet ihr das Projekt im Allgemeinen? Was findet ihr persönlich gut und was kann man vielleicht noch verbessern?

Isabelle: Vor allem für die Bachelorstudierenden ist es eine tolle Möglichkeit, das im Studium erlernte praktisch anzuwenden und vielleicht sogar erste Erfahrungen in der medienpädagogischen Arbeit zu sammeln. Auch im Master ist das eine gute Möglichkeit Verantwortung für eine größere Veranstaltung zu übernehmen und sich mit Förderanträgen etc. auseinanderzusetzen. Insgesamt finde ich außerdem gut, dass man so zur Gestaltung des Freizeitangebots für Kinder und Jugendliche in der Stadt beitragen kann, vor allem in der jetzigen Situation. Und man kann Kontakte zu den verschiedenen Jugendeinrichtungen etc. knüpfen – was natürlich auch nicht verkehrt ist.

Jean: Für Masterstudierende sind die Medienwochen eine sehr gute Möglichkeit theoretisch gelerntes einmal in der Praxis anzuwenden, sowie sich selbst einmal neuen Herausforderungen zu stellen und in verschiedenen Teilbereichen auszuprobieren.

Gibt es Verantwortliche für die jeweiligen Teilprojekte?

Isabelle: Ja, wir haben Arbeitsgruppen für die verschiedenen Teilprojekte. Ich war für das Kommunikationskonzept verantwortlich und dokumentiere das Projekt, sodass man auch im nächsten Jahr von den Learnings in diesem Jahr profitieren kann.

Jean: Ich war für die Konzeption der einzelnen Challenges verantwortlich, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, für den Technik-Support und werde die virtuelle Abschlussveranstaltung im offenen Kanal Magdeburg moderieren.

Wer hatte die Idee für das jeweilige Teilprojekt bzw. wie kam es zur Idee?

Isabelle: Da das Projekt im Rahmen unseres Projektmanagement Seminars durchgeführt wird, sind Teilprojekte in diesem Kontext eine notwendige und sinnvolle Sache und für gutes Projektmanagement auch notwendig. Nicht jeder kann alles machen, das würde für Verwirrungen sorgen.

Jean: Die Idee für die jeweiligen Challenges entstanden in einem kleineren Team im Rahmen des Seminars Projektmanagement im vergangenen Wintersemester 2019/20 und wurden im Sommersemester 2020 auf das bereits bestehende Konzept der Medienwochen angepasst. Die zur Bewältigung und Realisierung der Medienwochen wichtigen Handlungsschritte orientieren sich dabei an dem Strukturplan des klassischen Projektmanagements.

Was können die Teilnehmenden bei dem erwähnten Teilprojekt lernen?

Isabelle: Die erwähnten Teilprojekte sind eher für uns Masterstudierenden zur Organisation. Aber es gibt verschiedene Challenges, die die Teilnehmenden für das Gesamtprojekt Medienwochen erfüllen können - wie oben bereits beschrieben

Jean: Zu den jeweiligen Challenges gibt es kurze Erklärvideos, die das gewählte Medium, sei es Film, Musik, Comic oder Fotografie und deren Wirkung, Kinder- und Jugendgerecht erklären. Zusätzlich gibt es zahlreiche Videos die Tipps für die Bewältigung der Challenges geben.

Welche Kompetenzen werden dabei besonders gefördert?

Isabelle: Vor allem soziale Kompetenzen und Medienkompetenz – also beispielsweise das kritische Hinterfragen, die kreative Auseinandersetzung bei der Gestaltung und Umsetzung der Ideen

 

Gab es schon Abgaben? Wer sichtet die Abgaben und wertet sie aus? War schon „Gutes“ dabei?

Isabelle: Bis jetzt noch nicht, die Teilnehmenden haben aber noch bis zum 2. Oktober Zeit. Für die Abgaben haben wir eine Jury aus den Bereichen Journalismus, Medienproduktion, Musikbranche, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie aus der Pädagogik, die die Ergebnisse bewerten und jeweils die besten drei Einreichungen je Challenge prämieren. In der virtuellen Abschlussveranstaltung werden dann die jeweiligen Gewinnerinnen und Gewinner verraten und kleine Preise verteilt.

Jean: Eingereicht werden können Medienprodukte über die Mittmachseite oder direkt in den teilnehmenden Jugendeinrichtungen abgegeben werden.

Wieso habt ihr euch für Medienbildung entschieden? Wieso für die Uni in Magdeburg?

Isabelle: Der Studiengang bietet sowohl im Bachelor, als auch im Master die Möglichkeit theoretisch Erlerntes, praktisch umzusetzen. Im Master finde ich vor allem interessant, dass wir vieles interdisziplinär machen, also auch Seminare mit Informatiker*innen und Bildungswissenschaftler*innen zusammen haben. An der Uni Magdeburg und insgesamt an der Stadt finde ich gut, dass man nicht so anonym wie an anderen Universitäten ist. Man kennt die Lehrenden und Kommilitonen. Auch für das spätere Berufsleben ist es praktisch, schon im Studium viele praktische Erfahrungen zu sammeln und sich ein Netzwerk aufzubauen – diese Möglichkeiten bietet die Uni einem auf jeden Fall.

Jean: Anders als in anderen Studiengängen geht es in Medienbildung nicht nur um das große Thema journalistische Arbeit und Medienproduktion, sondern auch darum Medien und deren Wirkungen auf den Menschen greifbar zu machen und zu einem bewussten Umgang mit ihnen zu animieren. Im Studium erhält man daher einen Einblick in die Bereiche Journalismus, Medienproduktion, Medienkunde, Medienbildung und Medienpädagogik. Gerade das ermöglicht nach erfolgreichem Studienabschluss den Einstieg in verschiedenste Berufsfelder. Reizvoll ist für mich am Studium die Möglichkeit mit einem Abschluss neben den Berufsfeldern der Medienbranche ebenfalls in die Lehre oder Forschung einsteigen zu können.

Autor:in: Saskia Fischer