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Die Installation von Moosaik auf dem Campus der Uni Magdeburg (Foto: Jana Dünnhaupt / Uni Magdeburg)
21.04.2021 aus 
Forschung + Transfer
Grüne Vision für die Hauswand

Durchatmen wird in Städten immer beschwerlicher: Hohe Feinstaubbelastungen, zunehmender Autoverkehr und schlechte Luftzirkulationen sorgen für die schlechte Luftqualität. Doch was kann man dagegen tun? Mit dieser Frage hat sich die Ausgründung der Universität Magdeburg „Moosaik“ über drei Jahre hinweg auseinandergesetzt und hat eine grüne Idee entwickelt, um gegen dieses Problem anzukämpfen: Das Start-up hat aus dem altbekannten Moos einen Luftfilter für die Hauswand entworfen.

Mit ihren Pflanzen-Prototypen aus Moos konstruierten Maren Huhle und Marco Zierau, ehemalige Studierende der Uni Magdeburg, nicht nur eine besonders interessante, sondern auch eine sehr individuell anpassbare Lösung, um die Luft in Städten sauber zu halten. Die Wandpaneele bestehen aus zwei Seiten: Auf der Rückseite befindet sich das Moos, welches die Luft nachweislich von verschiedenen Feinstauben befreit und gefiltert wieder an die Außenwelt abgibt. Auf der Vorderseite finden verschiedene Pflanzen oder ein Bienenhotel platz. Je nach Vorstellungen können auch Kunst- oder Werbeflächen auf der Frontseite installiert werden – die Kunden:innen können frei entscheiden, was die Vorderseite ihrer Paneele zieren soll.

Die Paneele sind ein richtiges Multitalent

Maren Huhle, CEO von „Moosaik“, hatte vor drei Jahren die Idee, die zu ihrem Start-up führte: „Tatsächlich kam mir die Idee, als ich eine Doku geschaut habe. Dort ging es um das Moos, wie es Schadstoffe filtert und dafür in anderen Ländern genutzt wird. Und dann dachte ich mir: Lass uns damit was in Deutschland machen“, erzählt Maren. Gesagt, getan! Aus der Idee wurde der erste Prototyp. „Gemeinsam mit Dr. Voigt vom Institut für Verfahrenstechnik haben wir die Idee für die Paneele weiterentwickelt. Beim Betrachten der Konkurrenz ist dann aufgefallen, dass das Moos auf der Frontseite immer eingegangen ist. Aus diesem Grund haben wir das Moos auf der Rückseite angebracht“, berichtet die junge Gründerin weiter. 

Von der Idee zur Gründung eines Start-ups ist es ein weiter Weg. Hierbei stand das TUGZ - das Transfer- und Gründerzentrum der Gründerin mit Rat und Tat zur Seite.

Das System von Maren Huhle hat neben der Verbesserung der Luftqualität viele Vorteile. Denn die Verwendung von verschiedenen Pflanzen als Paneele hat den wirksamen Nebeneffekt eines Lärmschutzes. Stadtgeräusche können um bis zu 10 Dezibel reduziert werden. So können lästige Geräusche dauerhaft gemindert werden. Das „Vertical Gardening“, also das Anbringen von Pflanzen an Hauswänden, steigert durch die neugewonnene Naturnähe zudem das Wohlbefinden der Bewohner:innen. Grünflächen und die Nähe zur Natur bringen nicht nur Erholung für die städtische Luft, sondern auch für Körper und Seele des Stadtmenschen. Die Paneele sind also ein richtiges Multitalent.

Der Name der Ausgründung ist so charakteristisch, wie die grünen Paneele selbst. „Moosaik“ ist ein Wortspiel, eine Zusammensetzung aus den Worten Mosaik und Moos. „Mir war von Anfang an klar, dass die Frontseite divers sein wird, wie ein Mosaik. Dann haben wir überlegt: Moos und Mosaik, was kann man daraus machen?“

Mit BESTFORM AWARD ausgezeichnet

Aus der anfänglichen Idee ist ein Start-up entstanden, welches von der Uni gefördert und unterstützt wird. Das nachhaltige Konzept zahlt sich aus: „Moosaik“ hat den diesjährigen BESTFORM AWARD des Landes Sachsen-Anhalt gewonnen. Der Award zeichnet besonders kreative und visionäre Projekte aus und das trifft zweifelsohne auf „Moosaik“ zu. Die Jury hob hervor: „Moosaik bringt Natur und Hightech zusammen. Ein solches Vertical Gardening bietet eine natürliche Alternative für die Luftreinigung und bietet dazu noch grüne Hingucker.“

BESTFORM 2021_Thomas Wünsch_Maren Huhle_Marco ZierauMaren Huhle und Marco Zierau (rechts) vom Magdeburger Start-up „MOOSAIK“ haben den BESTFORM-AWARD 2021 gewonnen. Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, hat das Start-up im Magdeburger Musik- und Medienzentrum „Gröninger Bad“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist. (Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH)

Wenn ihr selber einmal das moosige Endergebnis bestaunen wollt, dann könnt ihr das auf dem Campus tun: Die Paneele sind am Gebäude 12 angebracht und können so beim Gang über den Campus entdeckt werden.

 

Autor:in: Janina Markgraf
Quelle: uni:report