Luise Rudolph und Siska Müller auf dem Campus der Uni Magdeburg (Foto: Jana Dünnhaupt / Uni Magdeburg)
08.12.2021 aus 
Campus + Stadt
Wer spielt hier die erste Geige?

Süßer unsere Akademischen Ensembles nie klingen, als zu der Weihnachtszeit – so oder so ähnlich könnte man den Weihnachtsklassiker umdichten. Denn um die Feiertage herum verwöhnen uns das Akademische Orchester und die Bigband der Uni Magdeburg traditionell mit stimmungsvollen Konzerten. Damit die Noten in harmonischem Einklang gespielt werden, müssen die Mitglieder nicht nur Talent haben, sondern auch zusammen proben. Die Studentinnen Siska Müller und Luise Rudolph berichten in unserer neuen Ausgabe von „In die Uni reingehört“, wie das während der Corona-Pandemie gelingt, ob ihnen das Durchhaltevermögen auch im Studium nützlich ist und wie man in den Musikalischen Ensembles mitspielen kann.

Heute zu Gast

Seit sie vier Jahre alt ist, steht Luise Rudolph auf den Bühnen, die für sie die Welt bedeuten. Die Sängerin der Uni-Bigband studiert Bildungswissenschaften im Bachelor und ist seit 2018 ein Teil der musikalischen Kombo. Besonders in Erinnerung sind ihr der Auftritt mit Lisa Bassenge auf der Wiese der FestungMark, das Weihnachtskonzert im OliKino 2019 und das Semesterabschlusskonzert 2020 im bis obenhin mit Publikum gefüllten Hörsaal 6 geblieben.

Dem Talent von Luise Müller kann man im Akademischen Orchester lauschen. Die Cultural-Engineering-Studentin hat bereits einiges ausprobiert: Heimorgel, Kirchenorgel, Klavier. Hängengeblieben ist sie bei der Querflöte. Zu ihrem Studienbeginn 2017 hat sie im Internet gesehen, dass es an der Uni Magdeburg ein Akademisches Orchester gibt und wollte unbedingt mitmachen – im Sommer 2018 war es dann endlich soweit.

 

Der Podcast zum Nachlesen


Introstimme:
 In die Uni reingehört. Der Podcast zur Arbeitswelt an der OVGU!

(Musikstück wird eingespielt)

Ina: Und mit diesem weihnachtlichen Ohrwurm begrüße ich Sie ganz herzlich zu einer neuen Folge unseres internen Podcasts „In die Uni reingehört“. Mein Name ist Ina Götze und für den musikalischen Einklang dürfen wir uns bei Siska und Luise bedanken. Die beiden studieren nicht nur bei uns, sie sind auch Mitglieder unseres Akademischen Orchesters beziehungsweise unserer Bigband, die uns ja um die Weihnachtszeit immer mit ganz tollen Konzerten begeistern. Und um mal einen Blick hinter die Kulissen unserer musikalischen Ensembles zu bekommen, habe ich die beiden eingeladen. Herzlich willkommen ihr zwei!

Siska: Hallo!

Luise: Dankeschön! Hallo!

Ina: Wenn ihr nicht gerade Musik für uns macht, was macht ihr dann bei uns an der Uni? Also stellt euch vielleicht gleich kurz nacheinander einmal vor, damit unsere Zuhörer:innen wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Siska: Ja, also ich bin Siska. Ich bin im Akademischen Orchester hier in Magdeburg und spiele Flöte und an der Uni studiere ich Cultural Engineering und bin manchmal auch eine Hiwine.

Ina: (lacht) Was heißt manchmal?

Siska: Das sind nicht so viele Stunden in der Woche, sind 10 Stunden in der Woche. Genau.

Ina: Sehr schön!

Luise: Und ich bin Luise. Ich studiere Bildungswissenschaften hier an der Uni und singe in der Uni-Bigband.

Ina: Wie lange macht ihr denn schon Musik und habt ihr schon immer? Hast du Luise schon immer gesungen und du schon immer Querflöte gespielt, Siska? Oder habt ihr auch mal Kontrabass oder… keine Ahnung, hast du schon mal Heavy Metal gesungen oder was auch immer ausprobiert? (lacht)

Siska: (lacht) Dann fange ich einfach an. Ich mache schon länger Musik als ich Querflöte spiele. Ich habe angefangen mit Heimorgelspielen und das ist eigentlich voll das schlimme Instrument finde ich, so im Nachhinein. (lacht) Genau, dann habe ich irgendwann angefangen, Querflöte zu spielen und habe auch dann nach der Heimorgel, Kirchenorgel und Klavier gespielt. Und ich singe auch noch im Chor und irgendwie mache ich die ganze Zeit Musik und auch andere Sachen als Orchester trotzdem noch dazu.

Ina: Wie groß ist denn so eine Heimorgel?

Siska: (lacht) Ziemlich klein, eigentlich kann man sich das vorstellen, wie so ein Keyboard mit zwei Manualen und einem kleinen Pedal dran.

Ina: Und hört sich aber original an, so ein Orgelklang?

Siska: Nein, gar nicht. Es klingt halt auch wie so ein schlechtes Keyboard.

Ina: (lacht) Kann man also lieber Keyboard spielen?

Siska: Ja, kann man machen, ist einfacher. (lacht)

Ina: Und du, Luise?

Luise: Also ich habe angefangen in der Musikschule Fröhlich, das ist ja vielen bekannt, schon von ganz klein im Kindergarten. Habe dann 12 Jahre Akkordeon gespielt, das ist ja da so das Standardinstrument (lacht) und man durfte aber auch singen. Genau, das habe ich dann da eigentlich am liebsten gemacht. Ja genau, schon von klein auf. Ich glaube, ich stand mit vier so das erste Mal auf einer großen Bühne.

Ina: Respekt! Mit vier Jahren?

Luise: Das war sehr niedlich. Also wenn ich mir jetzt so die Videos angucke. (lacht)

Ina: Auch sehr mutig als Vierjährige. Also selbst als Erwachsener… aber als Vierjährige, nicht schlecht, nicht schlecht. Wusstet ihr denn vor eurem Studium, dass wir eine Bigband bzw. ein Orchester haben? Und war das vielleicht auch so das Zünglein an der Waage, um zu sagen: Da möchte ich studieren?

Luise: Bei mir nicht. Ich wusste das gar nicht vorher, dass es hier so eine Bigband gibt. Ich habe dann auch erst nach dem ersten Semester. Ich wollte mich erst mal so hier zurechtfinden, wie das hier alles läuft an der Uni mit studieren. Und dann habe ich mir gedacht: Guckst du mal, ob du noch irgendwie Musik machen kannst und bin dann auf die Bigband gekommen über Facebook. Aber vorher wusste ich das nicht.

Ina: Wo kommst du ursprünglich her? Aus Magdeburg?

Luise: Nee, aus der Nähe von Halle. Ja, hört man auch, glaube ich. (lacht)

Siska: Ja, ich wusste das tatsächlich schon vor dem Studium, dass es hier ein Orchester gibt, weil ich auch explizit danach gesucht habe, um einen Ort zu haben, wo ich Musik machen kann. Aber das war jetzt nicht der Grund, weshalb ich nach Magdeburg gegangen bin.

Ina: Ganz viele Unis haben doch Orchester… Es war also dann doch der Studiengang, der dich gelockt hat. Das wird unser Studierendenmarketing ja sehr freuen. Warum ist es denn aus eurer Sicht wichtig, dass es akademische Ensembles gibt und die Uni die auch unterstützt?

Siska: Ja, ich würde schon sagen, dass wir eine ziemliche kulturelle Bereicherung für die Uni sind. Es ist ja auch eher so eine technische Uni. Also es gibt sehr viele technische Studiengänge, und ich denke, dann sind wir so ein kleines Kontrastprogramm, was einfach auch wichtig ist, denke ich.

Luise: Sehe ich auch so. Auch einfach als Ort, ich glaube bei euch noch mehr. Ihr seid ja auch viel mehr als wir (zu Siska). Dass da auch viele Leute zusammentreffen aus verschiedenen Studiengängen, auch so ein Austausch entsteht und auch natürlich Freundschaften geschlossen werden. Auch mal bei Fragen, die jetzt nicht unbedingt den Studiengang selber betreffen, mal Hilfe gefunden wird. Das ist auch eine ganz tolle Sache. Und genau wie du sagtest, Musik ist ja jetzt nicht mehr an der Uni als Studienfach oder allgemein künstlerische Studienrichtungen gibt es jetzt eher weniger hier. Da finde ich, das ist eine tolle Möglichkeit für jeden.

Ina: Ja, eine schöne Abwechslung. Fühlt ihr euch denn von unserer Uni gut unterstützt oder gibt es Sachen, wo ihr sagen würdet, das würde uns noch helfen?

Siska: Na ja, im Großen und Ganzen finde ich, für unser Orchester, werden wir schon gut unterstützt. Wir bekommen ja auch das ganze Geld und werden da finanziell quasi einmal durchfinanziert. Und ja, es gibt natürlich immer so ein paar kleine Sachen, natürlich übers Semester, die einen schon mal ärgern oder nerven, was vielleicht auch an der Uni als großem Apparat an sich liegt. Wir hatten jetzt zum Beispiel mit der Raumplanung immer mal wieder ein bisschen Probleme, weil wir nach einem neuen Raum gesucht haben für unser Orchester. Und dann gibt es schon an der Uni gar nicht mal so viele Räume, die wir nutzen könnten, die für uns geeignet wären. Und dann ist die Raumplanung da immer ein bisschen zickig, weil wir sind ja ein Orchester und wir machen ja Krach. Und das ist auch abends um 20 Uhr total problematisch. (lacht)

Luise: Ja, also wir haben das Glück, einen Bandraum zu haben, den wir dauerhaft nutzen können. Deswegen sind wir mit der Raumplanung nicht wirklich in Verbindung. Wir fühlen uns sehr gut unterstützt. Es ist einfach eine wahnsinnige Möglichkeit. Auch unser Dirigent Peter Ewald ist halt ein Profimusiker. Und sagen zu können: Wir üben oder wir trainieren mit dem Profimusiker, ist total toll. Wir hatten auch gestern unseren Workshop für die ganze Bigband und hatten da auch andere Musiker und Musikerinnen eingeladen. Und das ist schon toll, dann auch mal zu hören, was die für Projekte machen, die man dann auch teilweise aus Funk und Fernsehen kennt. (lacht) Das ist schon eine ziemlich tolle Sache, bei der uns da die Uni wirklich toll unterstützt.

Ina: Ja, bringt einen gut weiter. Habt ihr denn jetzt ein Bandraum gefunden? Das ist vielleicht die wichtigste Frage. Nicht Bandraum, sondern Orchesterproberaum.

Siska: Also wir hatten die ganze Zeit einen Raum und dann kamen wir am Mittwoch da rein und plötzlich waren da Leute (lacht) und wir dachten so, warum sind da Leute? Leider war da Lehre drin auf einmal. Und dann haben wir festgestellt: Na ja, der Raum ist irgendwie nicht mehr frei. Da gab es irgendwie ein Missverständnis und jetzt sind wir wieder auf der Suche. Es hört nicht auf.

Ina: Es hört nicht auf… Aber die Raumplanung ist ja grundsätzlich ein schwieriges Unterfangen, muss man sagen. Ich möchte das auch nicht machen, bin ich ganz ehrlich. Also alle auf dem Schirm zu haben und die einzelnen Räume und Auslastung und jetzt auch noch mit Corona zusammen. Ich hoffe, ihr findet bald wieder einen Proberaum.

Siska: Ja, wir hoffen auch. Ich glaube, wir können im Moment jetzt im H1 dann doch noch ein bisschen proben, mal gucken, wie das so wird.

Ina: Ich persönlich bin ja die unmusikalischste Person, die ich kenne. Also ich kann keine Noten lesen, ich kann keinen Takt halten, ich kann einen Takt nicht mal erkennen, muss ich sagen. Ich spiele kein Instrument. Ich habe es tatsächlich mal mit Gitarre versucht, zum Leidwesen meiner Nachbarn. Ich bin gescheitert. Wie viel Talent muss man haben, um bei euch mitmachen zu können? Oder könnte man vielleicht auch ein Instrument bei euch erst lernen?

Luise: Also wir haben leider keine Kapazitäten, Leuten von null auf quasi, das Instrument beizubringen. Also man sollte schon wissen, wie man es hält. (lacht)

Ina: Da fängt es schon mal an. (lacht)

Luise: Und wir haben auch Leute, die sagen, sie haben sich erst seit einem Jahr oder anderthalb Jahren damit beschäftigt und das geht dann auch zum Beispiel bei Gitarre ganz gut. Dann kann man sich mal bei den Leuten, die das schon länger machen und auch gut können, da Tipps abholen. Aber jetzt so richtig von Grund auf Noten beibringen oder Musiktheorie vermitteln, da haben wir leider keine Kapazitäten für.

Ina: Das geht bei Gitarre ganz gut, sagt sie. Und ich komme mir ganz schlecht vor, weil ich wirklich ganz, ganz schlecht gespielt habe (lacht).

Luise: Wenn sie das schon so ein bisschen können die Leute, die zu uns kommen, dann kann man da ja mal gucken: Wie greifst du denn den Akkord? Und solche schnellen Tipps kann man da bestimmt mal geben. Aber jetzt so richtig erst einmal von Grund auf zu erklären, was für Saiten das sind oder wie Töne funktionieren, ich glaube, das sprengt den Rahmen. (lacht)

Siska: Ja, das ist bei uns eigentlich genau so. Ich würde sagen, Talent ist schon relativ, das kann man jetzt vielleicht nicht unbedingt beurteilen. Und es gibt natürlich auch Unterschiede im Niveau von den Leuten, die bei uns mitmachen, wo sich dann auch gegenseitig mal Tipps gegeben werden. Und ja, aber man sollte schon wirklich sein Instrument einigermaßen gut spielen können bei uns, weil ja, wir können das auch aufgrund der Größe, die wir einfach haben und der wenigen Proben im Semester nicht stemmen. Also dafür haben wir einfach keine Kapazität, dass wir einzeln auf die Leute groß eingehen können.

Ina: Wie viele Personen spielen bei euch mit?

Siska: Im Moment sind wir ziemlich klein und sind so um die 30/35, glaube ich. Ja, wir waren auch mal bei 50 Leuten. (lacht)

Ina: Woran liegt es?

Siska: Durch Corona ist einfach… Also wir haben generell eine hohe Fluktuation, einfach weil wir hauptsächlich aus Studenten bestehen und die irgendwann fertig werden. Jetzt sind relativ viele fertig geworden. Aber während Corona haben wir eben keine neuen Leute bekommen. Erst dieses Semester wieder. Jetzt sind wir ein bisschen kleiner.

Ina: Okay, also ein Aufruf an alle, die mitmachen wollen, ein Instrument schon spielen können oder es nicht erst lernen müssen. Bitte beim Orchester melden und bei euch bei der Bigband habt ihr gerade Bedarf?

Luise: Ja, natürlich! (lacht) Vor allem geht es uns hier um die Posaunen. Wir brauchen ganz, ganz dringend Posaunen!

Siska: Wir auch! (lacht)

Ina: Jetzt gibt es ein Battle um die Posaunen!

(Alle drei lachen.)

Luise: Aber wir sind ja auch zwei verschiedene Stilrichtungen, wir decken ja alles ab. Wir sind ja eher Jazz und in die Richtung und das Akademische Orchester ist ja nochmal ne andere…

Siska: Und wer nicht genug kriegen kann, der kann ja auch einfach zu beiden gehen.

(Luise lacht)

Ina: Genau, wenn sich die Trainingstermine nicht überschneiden, dann…

Luise: Das machen sie nicht.

Ina: Da haben die Posaunen ordentlich was zu tun. Es spielen ja nicht nur Studierende mit oder machen mit bei euch, sondern auch Mitarbeitende. Wie ist das für euch? Bekommt ihr darüber vielleicht auch einen kleinen Einblick, wie es so ist, an der Uni zu arbeiten?

Siska: Na ja, also bei uns sind glaube ich im Moment auch gar nicht so super viele Mitarbeitende und wenn, dann sind die meisten Mediziner. Aber ja, wir sind halt ein Orchester und wir sind dann eine soziale Gruppe einfach. Sie werden bei uns ja nicht anders behandelt als die Studenten auch. Und ja, dann entwickelt man halt irgendwie so Bekanntschaften und Freundschaften. Und klar, da tauscht man sich auch mal aus, so über Dinge, die halt die Arbeit oder das Studium betreffen. Ich denke, da können sich auch einige ab und zu mal Tipps holen von den Leuten, die dann schon weiter sind irgendwo. Und ja, es ist eigentlich eine schöne Sache. So auch generell, dass man irgendwie so einen Einfluss von verschiedenen Studiengängen hat und nicht nur immer in seiner Studiengangsblase rumschwirrt. (lacht)

Luise: Ja, bei uns sind auch Mitarbeitende der Uni, auch ein Professor. (lacht) Das ist… Ich glaube, ich würde es komisch finden, wenn ich jetzt bei ihm eine Vorlesung hätte, (lacht) aber habe ich nicht, ist ein ganz anderer Bereich. Aber ja, wie du sagst, ist so eine Gruppe. Ein paar Leute von uns schreiben halt auch gerade Doktorarbeiten oder sind angestellt an der Uni. Das ist auch interessant, wie ich meine. Man kann sich da noch mal so austauschen: Wie funktioniert das denn überhaupt so eine Doktorarbeit? Das ist ja dann von einem Bachelor oder so noch total weit weg oder gar nicht greifbar für einen. Und da erfährt man schon einiges drüber. Und wir sind auch alle so per Du. Vielleicht auch ein bisschen komisch, dann in dem Moment, denn am Anfang wusste man ja auch gar nicht: Wer bist du, was machst du hier? (lacht) Und dann erfährt man irgendwie: Ich bin Doktor, ich bin Professor. (lacht)

Ina: Für den Austausch tatsächlich stelle ich mir das extrem spannend vor. Und holt die Uni vielleicht auch noch mal ein bisschen persönlicher, insgesamt ab, als Gesamtgeneinschaft. Um ein Instrument zu lernen, braucht man ja sehr viel Durchhaltevermögen. Vielleicht ist es daran bei mir gescheitert. Man weiß es nicht. Zumindest im musikalischen Bereich habe ich es nicht. Hilft euch dieser Ehrgeiz, ein Instrument zu lernen, auch im Studium? Oder seid ihr da wie ich? Ich bin musikalisch unehrgeizig. Kann man das übertragen?

Luise: Ich kann das nicht so ganz… Also ich habe ja vorhin schon gemeint, dass ich Akkordeon gelernt habe. Es war nicht mein Lieblingsinstrument. Ich habe auch kein Akkordeon mehr. (lacht) Das sagt ja auch schon viel, aber ich wollte halt immer singen und der Gesang war so eine Leidenschaft, dafür brauchte ich mir keinen Druck machen: Du musst jetzt üben. Das wollte ich einfach und da war der Ehrgeiz einfach da und da musste ich keine Motivation aufbringen von außen. Und ich denke, dass es auch im Studium so sein kann, wenn man wirklich einen Studiengang hat, der interessiert, den man gerne macht, wo man für brennt, dann denke ich, ist der Ehrgeiz auch da. Wenn man sich natürlich mit irgendetwas quält, was einen eigentlich gar nicht so interessiert, dann muss man sich natürlich immer mehr motivieren. Ich kann es jetzt nicht für ein Instrument sagen, aber… (lacht)

Luise: Ich würde mich einfach mal dem anschließen. Für mich ist es irgendwie so, dass ich im Studium jetzt nicht unbedingt die Ehrgeizigste bin. Weil ja, es gibt einige Fächer, die mich einfach nicht so interessieren, die ich aber trotzdem machen muss und da quäle ich mich durch. Und klar, es gibt auch mal, wenn man ein Instrument lernt, auch wenn man es gerne macht, so die Momente, wo man sich denkt: Och nee, ich habe einfach gar kein Bock mehr. Ich will nicht mehr, ich schmeiß alles hin. Also als ich jünger war, haben mich meine Eltern noch sehr dazu gezwungen. (lacht) Mittlerweile schaffe ich das auch selber und ich merke auch, dass es ohne Musik für mich nicht geht. Aber ja, im Studium… ich weiß nicht, ob ich da den gleichen Ehrgeiz aufbringen kann. (lacht)

Ina: Ach ja, okay, es liegt also an der Passion. Ich habe also keine Passion für Gitarre spielen. Das ist dann auch in Ordnung. War auch jetzt tatsächlich eine Frage von mir, ob ihr schon mal Momente hattet, in denen ihr aufhören wolltet und was euch dann doch durchhalten lassen hat.

Luise: Ja, total.

Siksa: Ja, auf jeden Fall.

Luise: Also gerade in der Musikschule wollte ich oft aufhören. (lacht) Aber ja, ich glaube, dass da auch echt die Eltern dann noch in diesem frühen Alter, im Kindesalter, dann auch einfach sagen: Nee, du gehst da jetzt weiter hin. Und dann geht man da weiter hin. (lacht)

Ina: Wenn Mama das sagt… (lacht)

Luise: Heute bin ich auch dankbar, weil da viele Erlebnisse waren, wie im Ferienlager. Wir sind ins Ausland gefahren, das hätte ich sonst nicht mit… Wer ist mit 15 oder 16 alleine eine Woche nach Schweden gefahren und hat da mit seinen Freunden in dem Orchester, wo ich war, getourt. Also das ist eine super tolle Erfahrung, die ich sonst nicht gemacht hätte. Bin ich super dankbar dafür. Aber irgendwann habe ich dann auch für mich gesagt, ich möchte jetzt was anderes machen und das ist dann glaube ich auch gut, da auch mal zu sagen, ich mach das jetzt nicht mehr die Band oder die Combo oder das Projekt und findet dann was Neues. Aber ich glaube so ganz aufhören, da sollte man ganz, ganz dolle drüber nachdenken. (lacht)

Siska: Ja, total. Also ich merke das auch selber bei mir. Früher habe ich Heimorgel gespielt.

Ina: Ich hörte davon… (lacht)

Siska: Und irgendwann hat mir das auch wirklich keinen Spaß mehr gemacht. Aber ich bin ja dann auf Kirchenorgel geswitcht, also Upgrade. (lacht) Und ja, meine Eltern haben mich dann so – als ich irgendwie so in der Pubertät war und dann keine Lust mehr hatte –, die haben mich da schon ein bisschen so auch dazu angehalten, das weiter zu machen. Und dafür bin ich jetzt im Endeffekt total dankbar, weil es mir halt einfach wirklich auch von innen heraus Spaß macht. Ich habe dafür eine Leidenschaft und jetzt kann ich halt überall hingehen und sagen: So hey, ich kann Querflöte spielen und ich kann Orgel spielen. Und ich kann damit Sachen machen, die einfach cool sind. Und man lernt einfach auch super viele Menschen kennen durch die Musik. Das macht einfach extrem viel Spaß.

Ina: Ist auch ein schöner Ausgleich, finde ich. Also man kann damit so gut Emotionen verarbeiten mit Gesang und Instrument. Darum hatte ich es mit Gitarre versucht, aber wie erwähnt, hat nicht funktioniert. Ist ja ein Unterschied, ob ich jetzt alleine in meinem kleinen Kämmerchen mein Instrument spiele oder singe oder ob ich das in einem Kollektiv mache. Wie funktioniert das? Oder wie oft müsst ihr auch trainieren, damit ihr als Team jeweils gut funktioniert?

Siska: Ja, wir proben im Orchester einmal in der Woche. Das ist eigentlich gar nicht mal so häufig. Und wir haben dann auch noch ein Probenwochenende. Da komme ich gerade her. (lacht) Das ist einmal im Semester. Genau das ist dann noch mal ein bisschen eine intensivere Probenphase. Aber viel öfter schaffen wir es auch einfach nicht, weil wir natürlich noch alles mögliche andere zu tun haben. Und da muss man dann natürlich auch so ein bisschen selber was tun für das Orchester zu Hause und ein bisschen üben und sich mal die Stücke angucken. Ja, aber ich denke mal, so gibt man sich doch eigentlich Mühe so fürs Team und versucht da möglichst gut zu sein, damit auch alles insgesamt gut klingt.

Luise: Genau, bei uns ist das ähnlich, wir haben auch einmal die Woche Probe, immer montags und haben auch solche Probenwochenenden, wir nennen es mal Workshops. Wir hatten auch gestern unseren Workshop, ist ja lustig. (lacht) Und genau, sind dann auch manchmal weggefahren und haben dann wirklich in den einzelnen Sections – also Sections sind bei uns, dass dann die Saxophone zusammen trainieren, die Trompeten, Rhythmusgruppe –, dass dann da nochmal intensiverer Austausch oder Training passieren kann und in den Proben spielen wir dann halt immer alle zusammen. Und natürlich treffen sich die Leute auch manchmal untereinander und sagen: Ach, können wir noch mal zusammen das durchspielen oder können wir das noch mal üben? Oder die Sängerinnen, gerade sind wir nur Mädels, treffen sich mit dem Pianisten und üben noch mal irgendwelche Stimmen. Das passiert dann auch, ist manchmal sehr individuell, manchmal mit jemandem zusammen oder natürlich auch komplett im Tutti. So nennt man das nämlich.

Ina: Im Tutti?

Luise: Wenn alle zusammen spielen.

Ina: Auch wieder was dazu gelernt. Während des Lockdowns habt ihr ja per Zoom geprobt. Wie war das für euch? Und müsst ihr da jetzt gerade aktuell wieder drauf zurück switchen?

Siska: Na ja, Zoomproben sind halt einfach irgendwie nicht das Gleiche. Also unser Dirigent hat sich sehr, sehr Mühe gegeben und hat es glaube ich auch so angenehm wie es irgendwie geht, gestaltet. Aber dann sitzt man halt so zu Hause und hört genau eine Stimme. Oder man spielt die Stimme gerade selbst und hört alle anderen nicht. Und das ist irgendwie… Am Anfang war es total befremdlich und ja, es ist einfach nicht das gleiche, wie wenn man einfach mit allen zusammen in einer Präsenzprobe sitzt und alles hört und dann auch das Stück auf ein anderes Level bringen kann als über Zoom.

Luise: Genau, weil ich glaube, viele können sich das nicht so vorstellen, wenn nämlich alle ihren Ton anlassen, dann ist das einfach nur ein ganz großes Chaos. (lacht) Weil das durch die Übertragung gar nicht funktioniert. Wir sind dann in dem zweiten Corona-Semester auf Einzelunterricht quasi geswitcht und hatten dann von unserem Dozenten Peter Ewald Einzelstunden und konnten da an einzelnen Problemen arbeiten. Letztes Jahr hatten wir die Möglichkeit – nicht letztes, dieses Jahr im Sommer hatten wir die Möglichkeit, vor dem G18 unter dem Zelt zu proben. Das war sehr schön. Da kamen auch immer mal ein paar Leute und guckten zu. (lacht) Da konnten wir dann wieder quasi in Präsenz gehen und mussten nicht mehr über die technischen Möglichkeiten… Aber ist natürlich besser als gar nichts. So hatte man wenigstens die Motivation, sich mit seinem Instrument oder der Stimme mal hinzusetzen und da was zu machen für die Band.

Ina: Ja, also es ist schon sehr wichtig, richtig zu hören, weil ihr müsst ja auch aufeinander achten, wenn man da irgendwie ein anderes Tempo spielt oder alle im Takt irgendwie auseinander geraten. Hilft euch das, dass ihr so trainiert seid auf Gruppenarbeit, auch im Studium, wenn ihr da gemeinsam mit anderen Projekte machen müsste, oder? Ist das auch wieder was anderes? (lacht)

Siska: Also ich finde, dass es irgendwie voll was anderes, also so, wenn man so diese klassische Gruppenarbeit mit einer schlechten Gruppe irgendwie hat, (lacht) wo die Hälfte gar nichts tut, da bin ich glaube ich genauso überfordert, wie jeder andere Mensch auch.

Luise: Ja, ich kann das irgendwie nicht so ganz einschätzen. Also ich glaube, natürlich ist man ja sozial, wenn man in einer Gruppe spielt und man kommt auch mit vielen Menschen klar. Aber ich glaube, dass es so eine allgemeine persönliche Einstellung dann, ob man gerne mit Menschen arbeitet oder lieber so sein Ding alleine macht.

Ina: Am 4.12. – hoffentlich, muss man sagen, die Aufnahme findet vorher statt – hat das Weihnachtskonzert der Bigband stattgefunden. Da sind sie gerade aktuell noch dabei, die ganzen Anpassungen vorzunehmen. Und im Januar hoffentlich findet das Neujahrskonzert statt von unserem Orchester. Was macht euch mehr Spaß? Die Auftritte oder die Proben?

Siska: Boah, schwer zu sagen. Also, was schon richtig Spaß macht, sind so Probewochenenden finde ich, wo man halt schon sehr intensiv probt, aber auch extrem viel Gemeinschaft einfach hat mit den anderen Leuten aus dem Orchester. Ich denke mal auch bei euch bei der Bigband ist es ähnlich, aber man probt ja auch irgendwie für die Auftritte. Das ist dann so das Highlight am Ende und das macht, glaube ich, fast noch ein bisschen mehr Spaß.

Luise: Hm, genau, man arbeitet dann immer so auf was hin und das ist natürlich dann auch immer aufregend und hat immer das große Ziel in Sicht. Aber ich persönlich finde die Auftritte immer ganz toll, vor allem man ist halt so super aufgeregt. Ich organisiere ja auch mit in der Bigband und plane da ganz viel. Und wenn das dann alles glückt und alle sind da, wo sie hinsollen, das ist immer ganz toll (lacht) und das Publikum freut sich dann und applaudiert und man verbeugt sich dann am Ende komplett zusammen. Da fällt dann so alles ab und man ist so richtig froh: Jetzt haben wir es geschafft. War richtig schön und man hat so ein tolles Erlebnis, wo man drauf zurück gucken kann.

Ina: Die Belohnung für die harte Arbeit. Kann man eurer Musik dann eigentlich auch außerhalb von Konzerten lauschen? Also habt ihr vielleicht Kanäle, wo ihr was veröffentlicht? Oder ist das tatsächlich nur über Konzerte möglich?

Luise: Also wir haben auch einen Instagram-Account, da könnt ihr uns folgen. (lacht)

Siska: Wir haben auch einen Instagram-Account. (Ina lacht)

Luise: Genau, da laden wir manchmal so kleine Schnipsel von Auftritten hoch oder so und wir haben auch einen YouTube-Kanal. Da gibt es sogar noch Weihnachtslieder von uns von 2019 aus dem OliKino. (lacht)

Ina: Das ist ja jetzt die passende Jahreszeit!

Luise: Da kann man passend zu Weihnachten mal reinhören.

Siska: Bei uns gibt es nicht ganz so viel zu sehen oder zu hören außerhalb von unseren tollen Konzerten. Aber wir haben letztes Jahr als Ergebnis der Proben aus dem Semester ein Video aufgenommen mit einem Stück. Und das kann man sich dann bei uns auf Instagram und auf der Webseite ansehen und anhören. Ansonsten gibt es uns leider nur live in concert.

Ina: (lacht) Das ist auch gut!

Siska: Das ist sehr exklusiv würde ich sagen. (lacht)

Ina: Das Video haben wir tatsächlich auf unserem Instagram-Account auch geteilt und ich kann das ja dann einfach mit einbetten bei uns im Podcast auf der Website. Da können Sie sich das jetzt auch noch mal anschauen, wenn Sie weiter runterscrollen. Wie schreibt ihr eure Programme? Also habt ihr immer die gleichen Songs, die ihr spielt? Wie sucht ihr die aus? Habt ihr Evergreens, die einfach nicht fehlen dürfen?
 

Siska: Also bei uns schreibt immer unser Dirigent, Mauro Mariani, das Programm. Und ja, er hat da so ein paar Kriterien, anhand derer er sich dann die Stücke aussucht. Zum Beispiel achtet er dann darauf, wie viele Leute wir gerade in welcher Stimmgruppe haben, was die Besetzung ist in unserem Orchester und dass er dann möglichst alle beteiligt. Manchmal ist das ein Problem mit dem Blech zum Beispiel. Aber wir haben auch manchmal Stimmen, die einfach total unterbesetzt sind. Und da guckt er immer, so eine Balance zu finden. Und auch die Schwierigkeit der Stücke ist extrem wichtig für uns. Also dann guckt er immer so, dass das unserem Niveau entspricht. Sucht ein bisschen was raus, was vielleicht ein bisschen über unserem Niveau liegt, so als Herausforderung. Und dann gibt es noch ein einfacheres Stück zur Entspannung. (lacht) Genau. Und ja, dann gibt es noch so Sachen wie Wünsche aus dem Orchester, die vielleicht beachtet werden und auch die Dauer des Konzerts. Also es kann jetzt nicht ewig gehen und es sollte ja auch nicht zu kurz sein. Jetzt, wegen Corona, ist es eher kürzer, weil wir nicht wissen, ob wir, wenn wir überhaupt konzertieren dürfen, eine Pause machen können. Genau.

Luise: Das ist bei uns ähnlich. Das Programm wird immer vom Dirigenten quasi zusammengesucht. Wir haben ein ganz großes Repertoire an Noten, ein ganzer Schrank voll mit Noten und da kann man dann auch natürlich von uns aus der Band, auch mal stöbern, ob man da irgendwas Schönes findet. Ist für den Gesang auch sehr interessant, da Stücke zu finden, die auch für die Tonlage passen, ist ja immer so eine Sache, weil man kann halt nicht in der Band einfach so transponieren. Das geht halt nicht. Das Stück ist so da, wie es da ist und dann muss man sich halt anpassen. Genau. Aber wir haben auch Wünsche… können wir auch äußern, was wir gerne spielen möchten. Manchmal hört man ja irgendwo was, dass man sagt: Okay, es hat eine andere Band gemacht. Würden wir auch gerne machen. Ist auch immer die Möglichkeit, Noten zu bestellen? Die Evergreens sind bei uns glaube ich, so „Valerie“ von Amy Winehouse und „Rehab“. Das kennt immer jeder und das spielen wir glaube ich schon sehr häufig. Ja, das findet auch das Publikum cool. Das finden wir cool, das finden alle cool. (lacht)

Ina: Ein Evergreen, der ja bei uns nicht fehlen darf, ist die Rubrik „Lange Rede, kurzer Sinn". Wir geben am Ende des Podcasts unseren Gästen immer drei Satzanfänge vor und diese müssen sie dann vervollständigen. Und diese ehrenvolle Aufgabe habt ihr jetzt auch. Seid ihr bereit?

Siska: So was von.

(Alle drei lachen.)

Ina: Bei dem ersten bin ich tatsächlich sehr gespannt, was da jetzt bei rauskommt. Wenn die Uni ein Instrument wäre, wäre sie…

Siska: Also ich würde sagen irgendwas Schwerfälliges, so ein Kontrabass.

(Alle drei lachen.)

Luise: Ich hätte jetzt gesagt ein Klavier, weil sie so vielseitig ist… obwohl Klavier hat zwar keine Saiten, aber unten in dem Kasten sind Saiten, die müssen abgestimmt werden. Also ist es gar nicht so falsch. Die Unis ein Klavier und sehr vielseitig. (lacht)

Ina: Als Teil der Bigband bzw. des Orchesters, habe ich gelernt, dass…

Siska: …dass ich noch sehr viel lernen kann. (lacht)

Luise: …dass es etwas ganz anderes ist, in so einer großen Band zu spielen, mit so vielen Leuten als im Duett oder alleine Musik zu machen und dass das eine ganz tolle Erfahrung ist, aus der ich da ganz, ganz viele Erinnerungen und Erlebnisse mitnehme.

Ina: Und last but not least: Bei diesem Song bekomme ich einfach immer gute Laune…

Siska: Also bei mir, das ist jetzt kein klassisches Stück, ist es Bohemian Rhapsody von Queen und man muss das auf jeden Fall mitsingen, komplett. (lacht)

Luise: Also ich finde Freddy Fischer, hört euch bitte Freddy Fischer an. Er ist ein ganz toller Sänger und den Song Discokugel, da muss man einfach tanzen. (lacht)

Ina: Das werde ich jetzt gleich mal nach der Aufnahme anschmeißen, in meinem Büro hole ich die Discokugel raus. Ganz, ganz lieben Dank, dass ihr heute hier wart. Ganz lieben Dank auch an Sie da draußen vor den Lautsprechern oder mit den Kopfhörern auf. Wenn Sie Anregungen und Themen, Wünsche, Lob oder Kritik haben, immer bitte her damit an Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie eine ganz fantastische Weihnachtszeit und wir verabschieden uns so, wie wir Sie begrüßt haben, mit einem Ohrwurm.

(Musikstück wie eingespielt)

Introstimme: In die Uni reingehört. Der Podcast zur Arbeitswelt an der OVGU!