Paula, Hanna, Rosa haben die Studierendenzeitschrift tja?! gegründet (Foto: Jana Dünnhaupt / Uni Magdeburg)
11.11.2021 aus 
Studium + Lehre
Von wegen „Generation online“

Den jungen Generationen wird immer nachgesagt, sie würden sich nur mit dem world wide web beschäftigen und gar keine Bücher oder Zeitschriften mehr lesen. Tja?! – diese drei Buchstaben sind die Gegenantwort auf diese Behauptung. Studierende der Uni Magdeburg haben nämlich ihre eigene Zeitschrift gegründet und beschäftigen sich darin mit kontroversen Themen – wie das Gendern oder Diversity. Wir haben mit Paula, Hanna und Rosa aus dem Redaktionsteam gesprochen.

 

Stellt euch vielleicht erstmal vor: Wer ihr seid, was ihr studiert, was ihr jetzt gerade macht.

Ursprünglich haben wir drei Cultural Engineering-Studentinnen Hanna, Paula und Rosa die Zeitschrift gegründet und dann in einem größeren Redaktionsteam mit Studierenden aus der Fakultät für Humanwissenschaften letztes Semester an der ersten Ausgabe gearbeitet. Für die zweite Ausgabe hat sich unsere Redaktion neu gebildet und wir sind ein Mix aus Studierenden von mehreren Fakultäten der Uni und Hochschule.

 

Wie seid ihr denn eigentlich an die Uni Magdeburg gekommen?

Die Uni Magdeburg ist die einzige Uni deutschlandweit, die den Studiengang Cultural Engineering anbietet, deswegen haben wir uns für die OVGU entschieden. Den Studiengang haben wir gewählt, weil uns besonders die Interdisziplinarität daran gefällt und man am Anfang einen Einblick in die verschiedenen Bereiche bekommt und sich dann spezialisieren kann.

 

Ihr habt eine Studierendenzeitschrift gegründet – wie kam es dazu?

Innerhalb unseres Studiengangs gibt es ein Projektmodul, in dem wir eigene Projekte realisieren können. Im Rahmen dessen haben wir die Zeitschrift gegründet, weil uns aufgefallen ist, dass es keine eigene Studierendenzeitschrift gibt und wir der Meinung sind, dass es wichtig ist, den Studierenden eine Plattform zu bieten, sich kreativ und kritisch mit gesellschaftlichen Themen auseinander zu setzen.

 

Wie habt ihr euch organisiert? Was waren eure ersten Schritte?

Am Anfang haben wir zu dritt ein Konzept ausgearbeitet und haben mit vielen Menschen aus dem Medienbereich gesprochen, die uns mit ihrer Expertise weiterhelfen konnten, unsere Ideen zu realisieren. Mit dem Start des Sommersemester 2021 haben wir unsere Redaktion gebildet, um die erste Ausgabe auf die Beine zu stellen.

 

Was war bei euch besonders überraschend, während des Prozesses eine Zeitung zu erschaffen?

Von uns hatte am Anfang keiner Erfahrung mit der Gründung und Umsetzung einer Zeitschrift, deswegen ist es für uns teilweise überraschend, dass wir es tatsächlich geschafft haben, die Zeitschrift am Ende in der Hand zu halten und zu veröffentlichen. Wir hatten die ganze Zeit über neue Erkenntnisse und mussten aber auch aus Fehlern lernen, die am Anfang aus Unwissenheit passiert sind.

 

Warum habt ihr euch für den Namen „tja?!“ entschieden?

Aufgrund der vielseitigen Interpretation des Wortes "tja?!" hat die Zeitschrift den Namen erhalten, da das Wort sich in verschiedensten Kontexten verwenden lässt. Einerseits wird "tja" verwendet, um eine negative Situation zu kommentieren, andererseits um Resignation, Nachdenklichkeit oder Akzeptanz auszudrücken. Das Fragezeichen und Ausrufezeichen im Namen soll diese Haltung in Frage stellen. Wir wollen uns mit gesellschaftlich kontroversen Themen auseinandersetzen und weisen mit unserem Namen darauf hin, dass der Status Quo nicht immer akzeptiert werden sollte.

 

Als erstes Thema habt ihr Gender gewählt – warum?

Das Thema Gender ist ein viel diskutiertes Thema, zu dem es unterschiedliche Meinungen gibt. Wir wollten mit dem Thema viele Menschen ansprechen und uns selbst intensiver damit auseinandersetzen.

 

Wie ich gesehen hab, seid ihr nur Frauen: Meint ihr, dass auch ein männlicher Blick gefehlt hat?

Wir haben versucht viele Leute mit unserer Werbung anzusprechen, um ein möglichst diverseres Team zu bilden, welches auch die Universität widerspiegelt. Letztlicht fehlen noch viele Perspektiven auf das Thema und man kann es immer noch diverser gestalten. Mit unserer neuen Ausgabe zu dem Thema Diversität und kulturelle Identität möchten wir genau das tun und durch unsere zweisprachige Ausgabe auch alle internationalen Studierenden erreichen.

 

Es gibt Artikel über Gendermedizin, Schönheitsideale, Frauen im Leistungssport, sogar ein Gedicht über toxische Männlichkeit – wie habt ihr euch entschieden, welche Themen ihr beleuchten wollt?

Am Anfang haben wir gebrainstormt, welche Bereiche im Thema Gender besonders interessant und wichtig sind. Wir wollten möglichst viele Fragestellungen zu dem Thema abdecken in unseren Ressorts Kultur, Uni und Magdeburg, Politik und Gesellschaft, Wissenschaft und Internationales. Grade der lokale Teil war uns auch wichtig. Danach konnte jeder seine Artikel und Umsetzungsvorschläge einbringen.

 

Wer hat euch bei der Zeitung geholfen?

Wir haben von verschiedenen Bereichen der Universität Unterstützung bekommen, vorallem der verantwortlichen Redakteurin des uni:reports, Ines Perl aus dem Bereich Medien, Kommunikation und Marketing und auch vom Büro für Gleichstellungsfragen.

 

Wie seid ihr die Zeitung angegangen?

Als erstes haben wir an den Artikeln gearbeitet und den Inhalt erstellt. Wir haben uns während des Semesters immer feste Deadlines gesetzt, die wir auch eingehalten haben, damit wir unseren Zeitplan schaffen konnten. Danach wurde am Layout für die Zeitschrift gearbeitet. Ein paar aus der Redaktion haben sich künstlerisch mit dem Thema auseinandergesetzt und Collagen für die Titelseiten der Ressorts und das Cover erstellt.

 

Was war die größte Herausforderung?

Eine der größten Herausforderungen für uns war das Thema der Finanzierung, da wir am Anfang nicht wussten wo wir überhaupt ansetzen sollen und gleichzeitig eine kostenlose und umweltfreundliche Zeitschrift drucken wollten. Glücklicherweise hat sich das Büro für Gleichstellungsfragen dazu bereit erklärt, uns finanziell zu unterstützen.

 

Was waren die wichtigsten Erkenntnisse zum Thema Gender, die ihr gesammelt habt?

Die wichtigste Erkenntnis zum Thema Gender ist für uns, dass es wichtig ist, sich zu informieren und immer Neues zu lernen, viele Perspektiven einzubeziehen und anderen zuzuhören und sich nicht von Kontroversen abschrecken zu lassen.

 

Seid ihr zufrieden mit der fertigen Zeitung?

Ja, wir sind sehr zufrieden mit der fertigen Zeitschrift und haben uns besonders über die positiven Rückmeldungen sehr gefreut. Wir sind jetzt noch motivierter an der nächsten Ausgabe zu arbeiten.

 

Wie geht es denn jetzt mit der Zeitung weiter?

Die Zeitung soll ja halbjährlich erscheinen und in der nächsten Ausgabe geht es um Diversität und kulturelle Identität – auch ein sehr großes und komplexes Thema. Unser neues Redaktionsteam steht schon und wir arbeiten auf Hochtouren an der neuen Ausgabe, die dann Anfang des Sommersemesters 2022 erscheinen soll. Sie wird zweisprachig auf Englisch und Deutsch erscheinen und hoffentlich viele neue Einblicke in das Thema bieten.