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Katharina Weißig und Corvin Groß wollen mit Periodically Periodenprodukte frei verfügbar machen (Foto: Sven Kloss)
29.09.2021 aus 
Forschung + Transfer
Zwei Euro für Chancengleichheit

Es ist ein kleiner silberner Spender, der den Gang in die Universitätsbibliothek für Frauen während der Menstruation ein kleines bisschen sorgenfreier gestaltet: Der stählerne Kasten ist mit Periodenartikeln gefüllt. Bei Bedarf können sich Personen während ihrer Menstruation kostenlos Binden und Tampons nehmen. Die Idee für diese kostengünstige und hygienische Variante eines Periodenartikelspenders stammt von Katharina Weißig und Corvin Groß. Sie studieren Medizin an der Uni Magdeburg und setzen sich dafür ein, dass diese Artikel beispielsweise in Bildungseinrichtungen frei verfügbar sind. Diese vermeintlich kleine Geste kann für Einzelne schon viel verändern.

„Man spricht von Periodenarmut, wenn es finanziell kaum oder nicht möglich ist, sich entsprechende Hygieneartikel für die Periode leisten zu können“, erklärt Katharina Weißig. „Davon sind in den einkommensschwachen Bevölkerungsschichten etwa 20 Prozent betroffen.“ Schülerinnen, die keinen Zugang zu Binden oder Tampons haben, vermeiden es dann aus Scham, zur Schule zu gehen. Was der Spender bewirken kann, zeige eine Studie aus Schottland, so erklärt Katharina Weißig: „Es stellte sich heraus, dass innerhalb eines Jahres in dem kostenlose Periodenartikel an Bildungseinrichtungen angeboten wurden, etwa 12 Prozent mehr Leute regelmäßig die Bildungseinrichtungen besuchten als im Vorjahr ohne die frei verfügbaren Artikel.“ Abseits der Periodenarmut bietet der Spender Sicherheit, auch bei nicht selten vorkommendem überraschendem Eintreten der Menstruation. Etwa auf diesem Weg ist Katharina Weißig auf das Problem aufmerksam geworden. Im Fachschaftsrat der Medizin schlug sie vor, Spender zu installieren. Gemeinsam mit Corvin Groß recherchierte sie nach einfachen, günstigen und hygienischen Modellen. „Das war schwieriger als gedacht“, erinnert sich Corvin Groß, „also setzten wir uns hin und überlegten, wie wir selbst so etwas bauen können.“

Erst entstanden Pappmodelle und später Prototypen aus dem 3D-Drucker, bevor letztendlich der fertige Spender aus Edelstahl entstand. „Wir haben ewig probiert und mit verschiedenen Modellen experimentiert“, erzählt Corvin Groß. „Es sollte nur eine Binde und ein Tampon zu entnehmen sein. Es sollte nichts im Spender stecken bleiben und er sollte schnell und einfach nachfüllbar sein.“ Und die viele Arbeit hat sich ausgezahlt: Der finale Spender erfüllt alle Ansprüche.

Mittlerweile ist die Nachfrage groß: Sie bekommen Anfragen von öffentlichen Einrichtungen, wie Frauenhäusern und Obdachlosenheimen, aber auch von Stadtverwaltungen. Auch in Magdeburg ist die Etablierung des Periodically-Spenders im Gespräch. „Das Interesse dafür freut uns sehr und das zeigt auch, dass die Debatte um kostenfreie Periodenartikel in den letzten Jahren langsam immer mehr anschlägt“, sagt Corvin Groß. Sie selbst setzten sich dafür ein, indem sie ihre Spender auch an Einrichtungen wie Frauenhäuser und Obdachlosenheime verschenken: Diese Einrichtungen können sich an sie wenden und einen kostenlosen Spender erhalten. Katharina Weißig und Corvin Groß haben neben dem Studium und mithilfe des Tranfer- und Gründerzentrums neben dem Medizinstudium ein kleines Unternehmen gegründet. Was sie dabei antreibt ist weniger der finanzielle Aspekt. „Wir wollen damit unseren Beitrag zur Chancengleichheit leisten und auch die Tabus rund um das Thema Periode aufbrechen“, sagt Katharina Weißig und Corvin Groß erklärt: „Wir haben das im Fall der Universität grob hochgerechnet und es wären jährlich etwa 2 Euro pro Kopf, die das letztendlich kosten würde. Es ist also nicht teuer und auch nicht aufwendig in der Anschaffung. Es wäre schön, wenn das in Zukunft noch mehr Leute so sehen und mehr Einrichtungen damit ausgestattet sind.“