08.04.2022 aus 
Forschung + Transfer
Tinder für Tiere?

Wenn du Hund, Katze oder Maus aus einem Tierheim adoptieren möchtest, gehört mehr dazu als die Sympathie für’s Tier. Zunächst stößt du auf einen Berg an Bürokratie, durch den du dich kämpfen musst. Dazu kommt, dass die Tierheime mit der Aktualisierung ihrer Webseiten oft nicht hinterherkommen, weil sie prioritär zu viele Tiere mit zu wenig Personal pflegen müssen. So kann es passieren, dass du ein Tier adoptieren möchtest, dass bereits vermittelt ist. Um hier den Überblick und die Hoffnung auf den passenden Vierbeiner nicht zu verlieren, haben sich vier Gründer der Uni Magdeburg zusammengetan und FindUs – quasi Tinder für Tiere – entwickelt.

Die vier Gründer von FindUs auf dem Campus der Uni Magdeburg (c) privatDie vier Gründer Hannes Feuersenger, Joshua Hauth, Sebastian Ries und Jannis Baur von FindUs auf dem Campus der Uni Magdeburg (Foto: privat)

Die Idee für die App kam aus einem persönlichen Impuls heraus: „Ich habe damals mit meiner Freundin zusammen in Hannover nach einer Katze gesucht und im Internet geschaut. Auf einer Tierheim-Website haben wir uns dann in eine Katze verliebt, sind ins Tierheim gefahren und am Ende war die Katze nicht mehr da, wie eigentlich alle anderen Tiere auf der Website auch“, erzählt Hannes Feuersenger, einer der Gründer und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Informatik an der Uni Magdeburg. Als Hannes dann in einem Podcast hört, wie jemand spaßeshalber die Idee „Tinder für Hunde“ erwähnt, wird „FindUs“ geboren.

Per Swipe zum neuen Haustier

FindUs ist eine App, die wie eine Art Partnervermittlung funktionieren soll. Jedoch sucht man nicht nach einer Person, sondern nach dem passenden Tier: Menschen, die sich ein Tier wünschen und Tiere aus Tierheimen sollen so unkompliziert zueinander finden. Ziel ist es, den Tierheimen den Aufwand abzunehmen, damit sie mehr Zeit für die Pflege der Tiere haben.

Und so soll es am Ende funktionieren: Die Tierheim-Mitarbeitenden können ganz einfach die App öffnen, ein Bild von dem Tier machen und schließlich Daten wie Tierart, Alter, Geschlecht, Krankheiten und besondere Verhaltensweisen eintragen und damit ist ihre Arbeit erstmal erledigt. Tiersuchende wiederrum geben, nachdem sie die App heruntergeladen haben, einen Suchumkreis an, stellen Vorlieben ein und beantworten – wenn sie wollen – ein paar Fragen über sich, zum Beispiel ob man einen Garten hat oder Kinder. „Der Nutzer gibt für den Matching-Algorithmus hauptsächlich Daten darüber an, welches Tier er sucht und wie seine Lebenssituation aussieht, zum Beispiel, ob andere Tiere im Haushalt leben. Diese Angaben sind jedoch zu keiner Zeit verpflichtend und der Nutzer darf freiwillig entscheiden, ob er diese angibt oder nicht. Gibt er weniger Daten an, entsteht kein Nachteil für den Nutzer“, erklärt Hannes Feuersenger. Danach werden die Profile der Tiere angezeigt, ein Foto und erste Daten. Und dann funktioniert es so, wie man es von Dating-Apps kennt: Nach links wischen bedeutet, dass man kein Interesse hat, beim Wischen nach rechts wird das Tier zu den Favoriten hinzugefügt. Über die Chat-Funktion in der App kann man schließlich direkt das Tierheim kontaktieren oder findet dessen Kontaktdaten.

Über die App Findus kann man Tiere adoptieren (c) Findus

Auf lange Sicht soll der Fokus der App jedoch nicht nur auf dem Matching liegen, sondern die Gründer planen Tierbesitzenden generell eine Unterstützung zu bieten und zum Beispiel Checklisten für die erste Tieranschaffung bereitzustellen.

Das Start-up über StartNext unterstützen

Nachdem sich das Team gefunden hatte, haben sie im November 2020 bei dem Start-Up-Wettbewerb MakeTomorrowNew teilgenommen und den Prototyp für die App entwickelt. Dafür brauchten sie einen Namen: „FindUs ist die Katze, die man damit verbindet. Aber dann steckt eben auch das englische `find us` drin – irgendwie passt das schon“, meint Hannes Feuersenger. Sie sind bei dem Wettbewerb unter die Top 5 gekommen und haben somit ein Startkapital von 20.000 Euro erhalten, womit sie die App-Entwicklung weiter vorangebracht haben. Mittlerweile haben die vier einen Aufruf auf der Crowdfunding-Webseite „StartNext“ gestartet. Das Ziel sind 15.000 Euro, um die Kosten für die Entwicklung der App zu decken. Hier können Interessierte für das Projekt spenden und somit die Entwicklung der App weiter vorantreiben, um die Vision der vier Gründer zu verwirklichen.

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Autor:in: Lisa Baaske