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Das Team von Robotto mit Hund und ihrem Roboter auf einer Wiese des Unicampus (c) privat
19.12.2022 aus 
Studium + Lehre
Technisches Kräftemessen

Roboter sind im Trend: Sie fahren, fliegen oder laufen auf zwei oder mehr Beinen. Sie arbeiten in der Industrie, werden in Krisensituationen zur Rettung eingesetzt oder halten die Wohnung sauber. Was vor ein paar Jahren noch Zukunftsmusik war, hält immer mehr Einzug in den Alltag. Die kleinen und großen Helfer messen sich allerdings auch in Wettkämpfen wie beispielsweise dem RoboCup. Dabei treten internationale Teams in verschiedenen Ligen gegeneinander an. Das robOTTO-Team der Uni Magdeburg spielt bei diesen Wettkämpfen ganz vorn mit und wurde in diesem Jahr in Bangkok bei der Weltmeisterschaft in ihrer Liga Vizeweltmeister.

Bereits 2010 wurde das Team von neun Studierenden unterschiedlicher Studienrichtungen gegründet. „Bei uns im Team ist jeder herzlich willkommen. Es geht nicht primär darum, dass man programmieren kann, sondern sich für das Thema interessiert und mit Motivation und Spaß dabei ist. Als ausgebildete Lehrerin, kümmere ich mich um organisatorische Dinge und betreue die Social-Media-Kanäle“, sagt Franziska Labitzke. Die 35-Jährige ist nicht die einzige Frau im Team. In den zurückliegenden Jahren sind immer mehr Frauen zu der Gruppe gestoßen, die an den beiden Robotern von robOTTO tüfteln.

Um weiterhin auf internationalem Parkett zu glänzen, trifft sich das Team jeden Montag um 16 Uhr im SwarmLab der Fakultät für Informatik. Dabei werden nicht nur Fehler an den Robotern behoben oder neue Hardware eingebaut, sondern auch in der eigens entworfenen Testarena, die alle Elemente der Wettkampfarena enthält, nur kleiner, Hindernisparcours geübt. Das Team tritt nämlich in der Liga @Work an, in der die Roboter in einer bekannten Umgebung autonom navigieren und dabei Aufgaben erfüllen müssen. So darf der Roboter namens Doppler, beispielweise nicht an Wände stoßen und muss seinen Weg zu Tischen finden, auf denen Objekte erkannt, klassifiziert und bewegt werden müssen. Bei den Objekten handelt es sich um klassische Aluprofile, Schrauben, Muttern sowie kleine Bauteile, aber auch Werkzeug. „Unsere Roboter besitzen Räder, mit denen sie sich parallel zum Tisch bewegen können. Dazu haben sie mehrere Sensoren und Kameras, um sich im Raum zu orientieren. Der Greifarm besitzt fünf Achsen, die wir separat ansteuern können. Somit ist es möglich, eine bestimmte Position mit dem Arm anzufahren und ein Objekt zu greifen oder abzulegen. Der Greifarm auf den Robotern wurde so konzipiert, dass er sowohl drehbar als auch feinmotorisch genug ist“, erklärt Franziska Labitzke. Angetrieben von einem Lithium-Ionen-Akku, flitzt Doppler von Station zu Station, greift Objekte und befördert diese dann sicher in die vorgesehenen Aussparungen.

Wenn das robOTTO-Team zu Wettbewerben fährt, werden die Roboter teilweise demontiert, um sie sicher zu transportieren. Vor Ort werden sie dann wieder zusammengebaut und sofort zu ersten Tests in die Wettkampfarena geschickt. Beim sogenannten Mapping macht sich der Roboter dann mit der Umgebung und den Hindernissen vertraut und erstellt sich eine eigene Karte von der Arena. Obwohl der Roboter im Wettbewerb eigenständig agiert, ist bei allen Phasen des Wettkampfes Teamfähigkeit gefragt. Franziska Labitzke erklärt: „So ein Wettkampf ist kein Urlaub für uns, sondern sehr anstrengend. Von der Organisation bis hin zum letzten Feinschliff arbeiten wir Hand in Hand.“ Trotz des Erfolgsanspruchs und des Konkurrenzdenkens ginge man in der Robotik-Szene freundschaftlich miteinander um. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass man einem anderen Team mit Ersatzteilen aushilft. „Die Teams lassen ihre Roboter auch einfach am Austragungsort unbeaufsichtigt über Nacht stehen. So etwas wie Sabotage gibt es in den Ligen nicht“, sagt die 35-Jährige.

So schön es ist, Pokale und Auszeichnungen mit nachhause zu bringen, steht laut Franziska Labitzke etwas Anderes im Fokus des robOTTO-Teams: „Es geht in diesen ganzen Wettkämpfen nicht darum zu zeigen, dass man Prototypen im Allgemeinen bauen kann. Es geht darum, dass junge Leute, die sich im Studium befinden und sich für Robotik interessieren, dann später in der Forschung und Entwicklung arbeiten können, um Prototypen zu entwickeln, die das gesellschaftliche Leben verändern.“ Dabei versucht das Team auch immer wieder, schon ganz junge Interessierte für das Thema und die MINT-Fächer zu begeistern. Bei Messen und Ausstellungen sehen die Zuschauenden die Roboter in Aktion und können ganz viele Fragen stellen. Dabei kommentiert ein Team-Mitglied immer, was der Roboter in dem Moment macht oder warum diese Aufgabe für ihn schwierig zu bewältigen ist. So schaffe man laut Franziska Labitzke ein besseres Verständnis dafür, wie viel Arbeit in den Robotern steckt und welche Herausforderungen zu meistern sind. Damit der Roboter Doppler und sein Kollege Euler auch weiterhin durch die Gegend flitzen können, freut sich das robOTTO-Team nicht nur über neue Mitglieder, sondern auch über finanzielle Unterstützung von ansässigen Unternehmen. Bei der Entwicklung der Software hat das Team im internationalen Vergleich die Nase vorn, es hapert allerdings an der Hardware, die mit Spenden oder Sponsoring angeschafft wird. Mit diesen Verbesserungen wäre das Team bestens für die anstehende WM nächstes Jahr in Bordeaux, Frankreich, gewappnet, um den Weltmeistertitel nach Magdeburg zu holen.

Autor:in: Catherine Birke
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