Alex ist einer der Studierenden, die sich bei
21.02.2022 aus 
Studium + Lehre
Eine Hängematte für alle Sorgen

Bedarfsorientierte Beratung auf Augenhöhe von Studierenden für Studierende, das ist das Motto der 2014 gegründeten studentischen Initiative „Hängematte – Auffangen und Anstoßen“. Egal ob Probleme im Studium, im Freundeskreis, in der Familie oder in der Beziehung, das Hängematte-Team steht den Studierenden mit Rat und Tat zu Seite!

Das, was früher als „die beste Zeit des Lebens“ beschrieben wurde, die Studienzeit, ist heute zunehmend zu einer betrübten und sorgenvollen Zeit geworden. Während der Corona-Pandemie können die meisten Veranstaltungen nur online stattfinden und das Campus-Leben ist immer mehr zum Stillstand gekommen. Das Studierendenleben hat sich verändert: Gefühlte 24 Stunden vor dem Bildschirm sitzen, um Online-Vorlesungen zu schauen und Meetings zu folgen, kaum soziale Kontakte haben, ständig kurzfristige Veränderungen innerhalb des Studiums und bei all dem noch motiviert zu bleiben, ist gar nicht so einfach. Dabei kommt es immer häufiger vor, dass einem alles zu viel wird und man nicht mehr weiter weiß. Unter anderem für solche Probleme ist die „Hängematte“ da. Sie ist eine Initiative, die von Psychologie-Studierenden der Uni Magdeburg geleitet wird und allen Studierenden die Möglichkeit gibt, kostenlos, zeitnah und unbürokratisch an Beratungstermine zu kommen. Dabei versteht sich die „Hängematte“ unter anderem als eine Vorstufe zu einer möglicherweise erforderlichen professionellen Hilfe.

„Wir wollen all jene, die mit Problemen oder in einer schwierigen Lebenslage zu uns kommen, auffangen, sie dort abholen, wo sie derzeit stehen und gemeinsam Veränderung anstoßen. Uns geht es nicht darum, ein fachliches Expertenangebot zu machen, sondern wir möchtenden Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen Studierenden über Dinge auszutauschen, die sie bewegen“, beschreibt Alexander Masannek, Masterstudent des Studiengangs Psychologie mit Schwerpunkt in Kognitiven Neurowissenschaften, die Initiative „Hängematte“. Der 23-jährige Berliner ist seit Oktober 2020 als Berater im Team tätig und außerdem zuständig für die Finanzen und das Postfach.

Genau das, was man mit einer gewöhnlichen Hängematte verknüpft, also die Entspannung, das Wohlfühlen, die Sorgenfreiheit – vielleicht auch „der Urlaub von den Sorgen“ – möchte das Team ausstrahlen. Weil die Berater und Beraterinnen selbst noch studieren, haben sie einen ganz anderen Bezug zu den Problemen, mit denen sich die Studierenden an die „Hängematte“ wenden. Sie können sich besser in ihre Kommilitonen und Kommilitoninnen hineinversetzten und haben ein besseres Verständnis davon, was es heißt, in der heutigen Zeit Studierender zu sein: „Wir kommen einfach auf anderer Ebene und vielleicht eher auf Augenhöhe zueinander, als es in Situationen zwischen Student oder Studentin und Psychotherapeut oder Psychotherapeutin der Fall wäre. Die Schwelle, die man überschreiten muss, um uns zu kontaktieren ist so gesehen, gar nicht vorhanden. Alles, was es braucht, ist vielleicht ein bisschen Überwindung und Selbsteinsicht“, erklärt der Student. Wer einen Beratungstermin vereinbaren möchte, schreibt einfach eine E-Mail an Um im Team schnell jemanden finden zu können, der gut mit der Thematik vertraut ist und bestmöglich zur Klientin oder zum Klienten passt, hilft eine kurze Beschreibung des Anliegens, um das es in der Beratung gehen soll.

Die Grundlage des Angebots der „Hängematte“ ist ein Seminar zur Beratungspsychologie von Dr. Jeanne Rademacher vom Institut für Psychologie der Uni Magdeburg, welche gleichzeitig als Supervisorin für das Beratungsteam fungiert. Auch wenn sich das Seminar an den Grundlagen der systemischen Psychotherapie orientiert, haben die Berater und Beraterinnen die Freiheit, Inhalte aus anderen therapeutischen Ansätzen anzuwenden. Alexander Masannek berät zum Beispiel nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. „In der ersten Sitzung geht es darum, möglichst ausführlich zu klären, um welches Thema es in der Beratung gehen soll und was der individuelle Anspruch an das Hilfsangebot ist“, erzählt der Psychologiestudent. Typische Fragestellungen sind hier: „Was müsste in der Beratung passieren, damit am Ende gesagt werden kann, dass sie weitergeholfen hat?“ oder „Worauf wollen wir uns gemeinsam im Beratungsprozess konzentrieren?“ Danach wird zusammen ein Plan erstellt, um das Beratungsziel zu erreichen. Mit Hilfe verschiedener kleiner Hausaufgaben arbeitet man sich dann von Sitzung zu Sitzung. Diese finden in der Regel im 14-tägigen Rhythmus statt und dauern je circa 60 Minuten.

Auch die „Hängematte“ muss sich in der Pandemie verschiedenen Herausforderungen stellen. Dadurch, dass es im Beratungsraum der Initiative kaum möglich ist, die aktuellen Hygienerichtlinien einzuhalten, werden die Beratungen aktuell mehrheitlich über eine sichere Online-Plattform abgehalten. Theoretisch wäre eine Beratung in persona mit Abstand und Maske möglich. Jedoch besteht derzeit eine große Hürde, welche Alexander Masannek so beschreibt: „Das Erkennen und Deuten der Mimik des Gegenübers ist ein elementarer Bestandteil jeder therapeutischen Interaktion und das ist duch das Tragen der Maske leider unmöglich.“

Auch wenn die digitale Interaktion nicht mit einem persönlichen Gespräch zu vergleichen ist, werden doch viele Beratungstermine angeboten. Zusätzlich möchte die Initiative mehr auf sich aufmerksam machen, denn: „Die psychischen Belastungen und Probleme sind im Vergleich zu der Zeit vor Corona definitiv mehr geworden. Wir haben auch bemerkt, dass die Problematiken des allgemeinen Alltagslebens und die Umstrukturierung des Studiums mit der Corona-Pandemie zusammenhängen“, weiß der Psychologiestudent.

Aktuell arbeiten die Studierenden daran, die Präsenz in den sozialen Netzwerken zu stärken und den Beratungsraum „aufzuhübschen“. Neben der finanziellen Unterstützung des Fachschaftsrates der Fakultät für Naturwissenschaften und des Studierendenrates will das Hängematte-Team zum Beginn des kommenden Sommersemesters einen Kuchenverkauf starten, um mit dem Erlös weitere Werbekampagnen durchführen und den Beratungsraum gemütlicher ausstatten zu können.

Und zum Schluss hat Alexander Masannek noch einige Tipps für Studierende, die mit vielen Herausforderungen zu kämpfen haben, parat: „Die eigenen Probleme sollten als das wahrgenommen werden, was sie sind. Man muss nicht allein mit seinen Problemen kämpfen. Wer bereit ist, sich eigene Probleme einzugestehen und Hilfe zu suchen, ist stark und nicht umgekehrt.“ Weiterhin empfiehlt der 23-Jährige, auf das eigene Wohlbefinden zu achten und auf sich selbst zu hören. „Probiere die Hängematte doch einfach mal aus – Du hast nichts zu verlieren!“, meint der Student abschließend.