Theo Langer, Tanya Stanley und Jonas Werner sind drei der insgesamt fünf Studierenden, die an dem Projekt für den Landestourismusverband gearbeitet haben.
12.07.2022 aus 
Studium + Lehre
Nachhaltiger Urlaub in Sachsen-Anhalt

Wer kennt es nicht? Plant man eine Reise, muss man recht schnell entscheiden, welches Verkehrsmittel man benutzen möchte. Dabei wird die Entscheidung von verschiedenen Faktoren beeinflusst, beispielsweise vom CO2-Fußabdruck. Aber wie können wir feststellen, wie viel CO2 mit welchem Verkehrsmittel ausgestoßen wird? Fünf Studierende der Uni Magdeburg haben sich dieses Problems angenommen. Sie haben eine Webseite programmiert, auf der Reisende die eigene Route mit verschiedenen Verkehrsmitteln planen und bewerten können.

Die Webseite entstand als wissenschaftliches Teamprojekt in Kooperation mit dem Tourismusverband Sachsen-Anhalt e. V. als Auftraggeber. Dieser hatte sich zunächst an das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Magdeburg gewandt. Das ist ein Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz in der Initiative „Mittelstand-Digital“, an dem Prof. Dr. Frank Ortmeier von der Fakultät für Informatik der Uni Magdeburg beteiligt ist. Dieser schrieb daraufhin ein Teamprojekt für Studierende der Fakultät aus. Als Anwendungsszenario sollte ein Produkt entwickelt werden, mit dem Tourismus in Sachsen-Anhalt attraktiver und nachhaltiger gestaltet werden kann. Gemeldet haben sich die Studierenden Theo Langer, Jonas Werner, Cassandra Raabe, Tanya Stanley und Majd Adawieh. „Vom Landestourismusverband erhielten wir eine Excel-Liste, in der Reisende eintragen konnten, wie viel Liter Benzin verbraucht wurden, wie viel Kilometer gefahren wurden und wie viel Bäume dafür zu pflanzen sind, um den CO2-Fußabdruck zu verbessern. Die Frage an uns war dann: Ist daraus nicht mehr zu machen?“, erzählt Student Theo Langer.

Die gemeinsame Arbeit am Projekt erstreckte sich über einen Monat: „Wir haben die Aufgaben unter uns fünf aufgeteilt. Drei von uns haben sich um das Programmieren der Webseite gekümmert und die anderen zwei um die Dokumentation des Projekts und der Ergebnisse“, beschreibt Theo Langer die Arbeitsaufteilung, „denn wir mussten neben der Webseite ein Paper schreiben, einen Vortrag vorbereiten, Workshops durchführen und alles dokumentieren.“ In mehreren Meilensteinmeetings haben sich die Studierenden untereinander und mit dem Landestourismusverband getroffen, den ersten Prototypen vorgestellt und die Webseite nach und nach den Wünschen des Kunden angepasst. So konnten die Studierenden, mit Unterstützung von Prof. Ortmeier und Sebastian Nielebock von der Fakultät für Informatik, die Zusammenarbeit mit einem echten Auftraggeber praxisnah kennenlernen. Eine wertvolle Erfahrung für das spätere Berufsleben, weiß Theo Langer: „Wir haben gelernt, wie man mit Kunden kommuniziert, wie man sich Ziele setzt und diese richtig formuliert. Das ganze Teamprojekt war eine Mischung aus Theorie und Praxis, etwas, was man nicht regelmäßig im Studium erlebt.“

Im Ergebnis ist eine Webseite entstanden, bei der man nach einem Login die eigene Reiseroute planen kann. „Man gibt also ein, was der momentane Standpunkt und das Ziel der Reise ist und welches Verkehrsmittelgenutzt wird, also entweder zu Fuß, per Rad, per Auto oder per Bahn. Anhand der Eingaben wird dann der CO2-Fußabdruck für die Reise ermittelt. Außerdem haben wir uns eine Art Wettbewerb überlegt: Man kann seine eigene Reise mit denen anderer Nutzerinnen und Nutzern vergleichen“, beschreibt Masterstudent Theo Langer. So entsteht ein Ranking auf der Webseite. Das eigene Ranking lässt sich beispielsweise verbessern, indem man alternative Verkehrsmittel wie die Bahn nutzt oder eine Spende zur Kompensation leistet. Aktuell ist die Webseite noch auf regionale Routen innerhalb Sachsen-Anhalts beschränkt. „Wir haben die Webseite mittlerweile an den Landestourismusverband übergeben. Er will die Webseite weiterentwickeln und noch weitere Funktionalitäten einbauen“, erzählt Jonas Werner. So soll es zum Beispiel möglich sein, direkt auf der Seite Spenden für Baumpflanzungen in Sachsen-Anhalt zu tätigen und so den eigenen CO2-Abdruck noch weiter zu senken.

„Der Auftraggeber war mehr als zufrieden mit dem, was am Ende herausgekommen ist“, meint Theo Langer ein wenig stolz und Anita Siemens vom Landestourismusverband Sachsen-Anhalt meint: „Ich war wirklich beeindruckt, was die Studierenden da auf die Beine stellen konnten. Sie haben uns eine tolle Grundlage zur Weiterentwicklung geliefert und einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Tourismus in Sachsen-Anhalt geleistet.“ Mit den nötigen Anpassungen wird die Webseite der Studierenden also bald online gehen und kann dann genutzt werden, um zu berechnen, wie Reisende ihren Urlaub nachhaltiger gestalten können.