16.05.2022 aus 
Studium + Lehre
Inklusion durch Sport

Für 16 Tage war die ganze Welt im Februar 2022 im Olympia-Fieber und blickte auf die Sportlerinnen und Sportler, die bei den Olympischen Winterspielern in Peking an den Start gingen. Und auch die darauffolgenden Paralympics bei denen Athletinnen und Athleten mit körperlicher Behinderung antraten, sind mittlerweile den meisten bekannt. Aber habt ihr schon mal von den „Special Olympics World Games“ gehört? „Viele können sich nichts darunter vorstellen, aber sie sind – neben den Olympischen Spielen und den Paralympics – das einzige Event, das vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt ist und sich olympisch nennen darf. Bei den World Games geht es darum, Wettkämpfe für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung anzubieten“, erzählt Ana Milena Wiegand Cáceres. Die 28-Jährige hat im Mai 2021 ihren Master im Studiengang Sport und Technik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg abgeschlossen und arbeitet seitdem im lokalen Organisationskomitee der Special Olympics World Games. Diese werden nächstes Jahr vom 17. bis 25. Juni in Berlin stattfinden. Bei den Spielen geht vor allem um Inklusion, darum Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung einzubinden. Die Besonderheit ist auch, dass zwar Medaillen in Gold, Silber und Bronze verliehen werden, aber am Ende jeder, der teilnimmt, eine Medaille erhält.

Bei den Special Olympics World Games Berlin 2023 handelt es sich um Sommerspiele. „Wir haben 28 Sportarten. Alles, was man aus dem Sommerspielbereich auch von Olympia oder den Paralympics kennt. Also zum Beispiel Basketball, Handball, Triathlon, Freiwasserschwimmen und vieles mehr. Rudern kommt nächstes Jahr neu hinzu.“ Die Sportlerinnen und Sportler müssen sich, wie bei den olympischen Spielen, vorher qualifizieren. So gibt es auf deutscher Ebene beispielsweise Landesspiele und schließlich auch nationale Spiele, die im diesen Jahr im Juni in Berlin stattfinden werden. „Da kommen dann also alle Sportlerinnen und Sportler aus ganz Deutschland zusammen und kämpfen um ihre Qualifizierung für die World Games nächstes Jahr“, erzählt Ana Milena Wiegand Cáceres. Zu den Spielen 2023 werden dann 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 170 Ländern erwartet.

Damit diese überhaupt stattfinden können, wird seit einiger Zeit bereits fleißig organisiert. „Ich arbeite im Team Volunteers. Da sind wir insgesamt sechs, aber wir haben auch ehrenamtliche Unterstützer und Unterstützerinnen. Im gesamten Team finden sich viele Athletinnen und Athleten und auch Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen. Das Organisationskomitee insgesamt besteht aktuell aus ungefähr 135 Leuten“, erzählt die Masterabsolventin. Der Arbeitsalltag ist für Ana Milena Wiegand Cáceres im Moment sehr bürolastig, viele Meetings bestimmen ihren Arbeitstag. Außerdem geht es darum, aktiv für das Programm zu werben und die Menschen auf die Special Olympics World Games Berlin 2023 aufmerksam zu machen, da sie noch viel zu wenig bekannt sind. „Im Mai nächstes Jahr hoffe ich dann, dass ich nicht mehr am Schreibtisch sitze, sondern über das Gelände laufe und beim Aufbau und allem anderen helfe“, meint sie lachend.

Ana Milena Wiegand Cáceres betreut außerdem alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer und arbeitet viel mit technischen Systemen, um die Ehrenamtlichen zu verwalten. „Wir haben dieses Jahr dreitausend Helferinnen und Helfer und nächstes Jahr, für die Spiele, ist es unser Ziel, zwanzigtausend zu haben.“ Wer mitmachen will, hat die Chance: Einfach online bewerben und nächstes Jahr in Berlin dabei sein.

Im Prinzip ist auch die Masterabsolventin so zu ihrem Job gekommen: Einfach beworben! Als im vergangenen Jahr absehbar war, dass sie im Sommer mit ihrer Masterarbeit fertig sein wird, machte sie sich auf die Suche nach einer passenden Stelle. „Ich bin zufällig auf die Stellenausschreibung gestoßen und dachte, dass es ein tolles Projekt ist, bei dem man Menschen etwas Gutes tun kann und dann auch noch so ein großes Event – ich war sofort Feuer und Flamme und hab noch am selben Tag die Bewerbung geschrieben.“ Enden nächstes Jahr die Special Olympics, endet auch erstmal die Reise für Ana Milena Wiegand Cáceres, aber sie hat schon neue Ziele im Blick: „Wir haben 2024 die EM, auch 2024 die Olympischen Spiele in Paris und 2026 in Italien – das wären Optionen für Jobperspektiven. Oder ganz groß geträumt Olympia 2028 in Los Angeles.“

 

Autor:in: Lisa Baaske