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Germanistin Dr. Ursula Föllner
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Wat mutt, dat mutt!

Wer am Wochenende die Lokalzeitung aufschlägt, kennt ihren Namen und ihre Geschichten rund ums Platt-Sprechen hier in der Region: Dr. Ursula Föllner. Nun geht die Germanistin nach 40 Jahren Tätigkeit an der Universität und über 30 Jahren Engagement für die Arbeitsstelle Niederdeutsch sowie im Personalrat der Universität in den Ruhestand. Redakteurin Ines Perl sprach mit Dr. Föllner über ihre Student*innen, die Arbeitsstelle Niederdeutsch und ihre Zeit als Personalrätin. 

Sie sind seit nunmehr 40 Jahren, seit 1983, im Lehrbetrieb an der OVGU tätig. Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf die vielen gut qualifizierten Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, die erst die Pädagogische Hochschule und dann die OVGU verlassen haben, aber auch auf Germanistinnen und Germanisten, die in den Medien, der Kultur oder der Lehre ihren Platz fanden. Alle haben sie u.a. etwas über die Geschichte der deutschen Sprache und die Besonderheiten der Sprache im Norden Sachsen-Anhalts und Magdeburgs erfahren.

 

Was wird Ihnen im Ruhestand fehlen?

Der Umgang und Austausch mit den Studierenden und den Kolleginnen und Kollegen.

 

Wer wird Ihre Seminare übernehmen, wenn Sie im Ruhestand sind?

Die Lehrveranstaltung „Sprachgeschichte im Überblick“ wird es nicht mehr geben, denn das Bachelorstudium setzt jetzt andere Schwerpunkte. Aber konkrete Angebote zum Niederdeutschen wird weiterhin Dr. Saskia Luther in Zusammenarbeit mit dem Landesheimatbund vorhalten. Christian Sadel wird in diesen Bereich als Projektmitarbeiter einsteigen.

 

Ihre Tätigkeit hier an der Universität ist eng mit der Arbeitsstelle Niederdeutsch verbunden. Was ist in diesem Zusammenhang Ihre größte Errungenschaft?

In den 1990er Jahren konnten Dr. Luther und ich ein mehrjähriges Forschungsprojekt zum Niederdeutschen in Sachsen-Anhalt realisieren, woraus viele Erkenntnisse gewonnen werden konnten – auch für die Kulturpolitik des Landes. Daraus ergaben sich zum Beispiel auch zahlreiche Förderprojekte für das Niederdeutsche, die bis in die Gegenwart in enger Kooperation mit dem Landesheimatbund aufgelegt werden. Dabei spielt die schulische Bildung eine besondere Rolle, weshalb es für mich eine besondere Freude ist, dass die Ausbildung im Lehramt Deutsch an der OVGU nun eine Renaissance erlebt.

 

Wie geht es mit der Arbeitsstelle weiter, wenn Sie im Ruhestand sind?

Die Arbeitsstelle ist in der Germanistik der OVGU und bei dessen Leiter, Professor Kersten Roth, fest verankert. So laufen das derzeit auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt NiSA sowie die enge Kooperation mit dem Landesheimatbund weiter. Einige Stunden wöchentlich werde ich bis zum Jahresende dabei noch mitwirken.

 

Sie engagieren sich seit den 1990er Jahren im Personalrat der Universität. Was war Ihre aufregendste Zeit im Personalrat?

Als Ersatzmitglied an der Pädagogischen Hochschule erlebte ich mit, dass die Hochschule geschlossen werden sollte. Sie wurde dann jedoch 1993 in die heutig OVGU integriert. Später sollte die Fakultät für Humanwissenschaften abgewickelt werden und auch die völlige Fehlentscheidung, die Lehramtsausbildung in Magdeburg bis auf wenige Ausnahmen zu schließen, waren Ereignisse, die für mich als Personalrätin und Germanistin inakzeptabel waren. Immer war von diesen Vorgängen Personal betroffen, das waren menschliche Schicksale. Manchmal konnte der Personalrat in diesen Fällen helfen, leider jedoch nicht immer.

 

Was haben Sie mit dem Personalrat erreicht?

Ein faires und gedeihliches Miteinander zwischen Hochschulleitung, den Gremien und dem Personalrat zum Nutzen für die Institution OVGU und der dort Tätigen. Bei Auseinandersetzungen geht es um die Sache und nicht um Profilierungsgehabe. Das hat in Magdeburg an der OVGU Tradition und wird sicherlich auch weiterhin so gelebt werden.

 

Was wünschen Sie der OVGU in ihrem 30. Jahr des Bestehens?

Viele neugierige und strebsame Studierende aus Deutschland und der Welt, kluge und verantwortungsbewusste Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ein ebensolches Ministerium, engagierte und fachkompetente Menschen in allen Bereichen der Uni.

 

Was überwiegt: Freude oder Wehmut über den bevorstehenden Ruhestand?

Das weiß ich noch nicht so recht. Jetzt freue ich mich jedenfalls darüber, dass ich in meinem Fachbereich noch etwas mittun kann.

 

Wenn Sie jetzt im Ruhestand sind, was werden Sie als erstes tun, was Sie schon immer tun wollten, wofür aber immer keine Zeit war?

Eigentlich nichts Besonderes, Familie, Bewegung, Kultur und Verreisen sind die Klassiker, das spielte natürlich auch schon in den letzten Jahrzehnten eine Rolle, nun sicherlich entspannter.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Föllner.

 

Autor:in: Ines Perl
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