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Dr. Jürgen Ude sitzt mit Lisa Baaske an einem Tisch in seinem Büro für ein Interview (c) Hannah Theile Uni Magdeburg
01.04.2024 aus 
Campus + Stadt
Die Universität Magdeburg ist ein Rohdiamant

Dr. Jürgen Ude ist Staatssekretär für Strukturwandel und Großansiedlung in der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt, ein echter Magdeburger und immer mit seiner Heimatstadt verbunden geblieben. Als Student hat er zunächst die Technische Hochschule erlebt und schließlich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter auch den Wandel zur Volluniversität. Seine Alma Mater hat ihn und seinen Weg geprägt, und er prägt mit seiner Arbeit, unter anderem das Center for Method Development und Intel betreffend auch die Zukunft der Uni Magdeburg. Im Interview spricht er über seine Verbindungen zur Uni, darüber, ob sich Ingenieur und Politiker manchmal in die Quere kommen und über die Rolle der OVGU.

Herr Dr. Ude, Sie haben an der OVGU 1980 begonnen, Werkstofftechnik zu studieren. Warum?

Ich bin in Magdeburg geboren und großgeworden. Damals gab es die Verbindung der Schulen zu den Kombinaten und einen Unterrichtstag in der Produktion UTP sowie ESP, Einführung in die sozialistische Produktion. Bereits als Schuljunge habe ich also die Industrie kennengelernt. So gab es für mich, der in der DDR sein Abitur gemacht hat, nur einen Weg: Ingenieur werden und in Magdeburg studieren. Ich wollte auch gar nicht woanders hin, ich hatte viele Freunde hier, habe hier viel Sport getrieben.

Inwiefern hat Sie Ihre Zeit an der Uni Magdeburg geprägt?

Wer sich in meinem Büro umschaut, sieht wohl noch immer die Verbundenheit zu meiner Ausbildungsstätte. Ich habe im Grunde zuerst die Technische Hochschule als Student erlebt, dann den Wandel zur Technischen Universität bis hin zur Volluniversität, die man heute kennt. Und all diese Schritte habe ich miterlebt. Das hat mich auf jeden Fall geprägt. Ich bin stolz darauf, dass ich an dieser Universität studiert und auch geforscht habe.

Sie sind seit 2017 in der Politik tätig. Fiel Ihnen der Abschied aus der Wissenschaft schwer oder steckt in Ihnen noch immer der Ingenieur?

Nach der politischen Wende war ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Werkstofftechnik und Werkstoffprüfung tätig. 1998 habe ich die Universität verlassen und bin nicht unbedingt Wissenschaftler geblieben. Durch meine Entwicklung habe ich aber mit Technologietransfer zu tun gehabt und die Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ausgebaut. So war ich immer mit Innovation und Forschung verbunden und hatte immer Kontakt zur Universität. Das war ja mein Ziel, dass Unternehmen mit der Universität Forschung betreiben. Um auf die Frage zur Politik zurückzukommen: Parallel habe ich immer schon mit Ministerien zusammengearbeitet. Ich fühle mich bis heute nicht wirklich als Politiker, obwohl ich natürlich weiß, dass das eigentlich so ist. Aber ich glaube der Weg mit allen Etappen war sehr wichtig, weil ich so mehr bewegen konnte. Und das geht in einem Ministerium natürlich mehr, als von außen.

Kommen sich denn Ingenieur und Politiker manchmal in die Quere?

Ich bin in dieser Staatssekretärs-Runde, glaube ich, der einzige Ingenieur. Auf der Ebene der Staatssekretäre sind viele Juristen und Politiker. In die ‚Quere kommen‘ würde ich nicht sagen. Man muss sich ergänzen, das hängt aber immer auch mit den Persönlichkeiten zusammen, ob sie bereit sind, das zu tun. Am Anfang fühlte ich mich als Ingenieur schon ein bisschen allein in der Runde. Aber ich glaube, es ist auch belebend und es hat auch viel vorangebracht, dass ein Ingenieur in dieser Runde mit sitzt.

Gab es einen klaren Zeitpunkt, an dem Sie aus der Wissenschaft in die Politik gewechselt sind? Oder war das eher fließend?

Das war ein fließender Übergang. Ich habe diesen Weg nicht geplant, weil ich eben kein Politiker bin. Ich bin ihn gegangen aufgrund der Entwicklung, die ich durchlebt habe: ein fließender Übergang von der Universität hinein in die Wirtschaft über den Technologietransfer hin zu einem Ministerium.

Nachdem Sie im Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft waren, sind Sie seit 2022 Staatssekretär für Strukturwandel und Großansiedlung in der Staatskanzlei. Was genau sind denn Ihre Aufgaben?

Ich habe zwei Aufgaben: Zum einen die Aufgabe Großansiedlung, was mich wirklich sehr freut, denn ich durfte Intel in der Ansiedlungsphase begleiten. Hinter dem Wort Großansiedlung steckt also Intel, aber auch die damit verbundenen anderen Ansiedlungen. Deshalb auch der Wechsel zur Staatskanzlei, direkt angebunden an den Ministerpräsidenten. Das zweite Aufgabengebiet, das eng mit dem ersten verbunden und sehr spannend ist, ist der Strukturwandel – gerade hier für die Braunkohleregion. Da gibt es viele Synergieeffekte zwischen dem Thema Großansiedlung Intel und dem Transformationsprozess, den wir da im Süden unseres Bundeslandes haben.

Wie schätzen Sie als mit der Ansiedlung von Intel beschäftigter Politiker die Rolle der Universität in diesem Prozess ein? Welche Erwartungen gibt es an die Uni in diesem Zusammenhang?

Die Otto-von-Guericke-Universität war während der Verhandlungen für mich der wichtigste Partner. Rektor Professor Strackeljan habe ich von Anfang an intensiv mit in die Verhandlungen einbezogen. Und die Uni Magdeburg wird die Ankeruniversität werden für das Thema Intel, das zeigt sich ja jetzt auch schon. Das ist eine Riesenchance für die Universität, sich neu aufzustellen, wohlwissend, dass sie keine Intel-Universität wird. Sie bleibt eine Volluniversität mit einer technisch geprägten Ausrichtung und wird an Bedeutung für die Region gewinnen. Davon bin ich fest überzeugt.

Wie würden Sie die Universität Magdeburg mit drei Adjektiven beschreiben?

Kreativ, internationaler – als früher – und inspirativ.

Sie hatten einen großen Anteil am Entstehen des Center for Method Development CMD. Was bedeutet dieses Forschungszentrum für die Uni, aber auch für die Region und darüber hinaus?

Es hat lange gedauert, aber es passt perfekt in den Transformationsprozess, den wir gerade beim Thema Mobilität erleben. Das CMD wird ein Vorzeigeprojekt werden. Die Inhalte, mit denen die Forschenden sich dort beschäftigen, erstaunen mich immer wieder. Da reden wir über Methodenentwicklung und digitale Zwillinge. Das ist genau der Trend, der wirklich passt. Es ist die einmalige Chance, für die Universität, sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten, das aber eben nicht nur für Magdeburg und für die Uni alleine wirken soll, sondern für die Unternehmen der gesamten Region. Und es ist die Chance, Transformationsprozesse mitzugestalten, wenn es um das Thema E-Mobilität geht.

Wie schätzen Sie generell die Bedeutung der Universität ein? Welche Rolle spielt sie – zwar international aufgestellt – dennoch für Magdeburg und das gesamte Land Sachsen-Anhalt?

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt, vor allem ein ganz wichtiger Partner für junge und innovative Unternehmen der Region. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Sie belebt die Stadt durch die Studierenden. Sie ist ein Stabilitätsfaktor, wenn es um das Thema Strukturwandel hier in Magdeburg geht. Ich sehe aber auch, dass sich die Universität entwickeln muss. In Sachen Internationalität ist sie sicher schon gut aufgestellt, das Thema muss aber noch viel wichtiger werden. Ebenso ist die Fragen, wie sich die Universität räumlich und baulich gestalten kann. Und sie muss unbedingt die Trends der Zeit erkennen. Am Beispiel Intel sieht man, wie sich Branchen verändern, und dass man sich von alten Strukturen lösen und neue Wege gehen muss.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Ude.

Autor:in: Lisa Baaske
Quelle: uni:report