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18.02.2026 aus 
Forschung + Transfer
Ist ein Social-Media-Verbot für Jugendliche sinnvoll?

Im Dezember vergangenen Jahres hat Australien als erstes Land weltweit eine Altersbeschränkung für die Nutzung sozialer Medien eingeführt. Auch in Deutschland wird intensiv darüber diskutiert, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Social Media für Minderjährige aussehen sollte.

Aktuell sorgt ein Vorstoß der SPD für Aufmerksamkeit: Kinder unter 14 Jahren sollen künftig keinen Zugang zu sozialen Netzwerken mehr haben. Doch wie wirksam wäre ein solches Verbot tatsächlich? Würde es die bestehenden Probleme lösen oder lediglich Symptome bekämpfen?

Über diese Fragen spricht Anna-Lena Brown vom Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt digitale Medienkulturen im Interview.

 

1. Welche Probleme von Kindern und Jugendlichen sollen mit dem Social Media Verbot gelöst werden?

Die Liste der Probleme, die mit einem solchen Verbot adressiert werden soll, ist lang. Einerseits wird — in vielen Fällen auch zu Recht — befürchtet, Jugendliche könnten bei der Nutzung sogenannter sozialer Medien mit nicht-altersgerechten, manipulativen oder sonstigen Inhalten in Berührung kommen, die für sie schädlich sein könnten, etwa was die Vorstellung von Körperidealen angeht. Auch Themen wie politische Manipulation und Radikalisierung stehen weit oben auf der Liste. Zudem wird auch die Gefahr gesehen, dass Kriminelle über soziale Medien mit Jugendlichen in Kontakt kommen könnten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist Cyber- Mobbing, das vorwiegend auf sozialen Medien stattfindet und zu einer großen Belastung vor allem für junge Menschen werden kann. Bei all den genannten Problemen kann man sich jedoch auch fragen, ob diese in erster Linie mit Social Media zutun haben, oder ob sie in diesem Zusammenhang vielleicht verstärkt auftreten bzw. wahrgenommen werden.

Auf der anderen Seite werden die von manchen beobachteten zum Teil exzessiven Nutzungsgewohnheiten, sprich also die Häufigkeit und Dauer der Nutzung, als problematisch wahrgenommen. Hier wird vor allem befürchtet, die kognitive Entwicklung und Leistungsfähigkeit könnte Schaden nehmen, wenn die Heranwachsenden immer mehr Zeit auf Social Media und an Geräten verbringen. Der vielfach beklagte Abfall schulischer Leistungen wird häufig mit der verstärkten Nutzung von Smartphones und Social Media in Verbindung gebracht, obwohl es dafür vielfältige Gründe geben kann. Viele sehen aber auch die sozialen Kompetenzen und das Miteinander ‚ohne Medien‘ gefährdet. Das trifft vor allem auch in schulischen Kontexten zu, wo beobachtet wird, dass Kinder und Jugendliche sich vermehrt mit ihren Endgeräten beschäftigen, statt etwa in der Pause miteinander zu sprechen.

2. Halten Sie ein Altersverbot aus pädagogischer Sicht für sinnvoll?

Ich bin skeptisch und kann darauf nicht pauschal antworten. Ich denke zwar, dass von sozialen Medien für Kinder und Jugendliche (aber auch Erwachsene) durchaus Risiken ausgehen, mit denen wir als Gesellschaft umgehen müssen und sicherlich kann eine Altersbeschränkung auch eine Orientierungsfunktion etwa für Familien und pädagogische Fachkräfte bieten. Allerdings sollte die Diskussion differenzierter geführt werden. Selten sind Verbote allein probate Mittel, um Risiken und Problemen in der Gesellschaft adäquat zu begegnen, da diese selten nur einen einzelnen Lösungsansatz erfordern. Zudem sind ja nicht nur die Jugendlichen von den Risiken betroffen — sie stehen bei der Debatte aber im Fokus.

Außerdem stellen sich rund um das Thema viele Anschlussfragen — etwa, welche Plattformen genau man da verbieten möchte und wie man ein Verbot technisch umsetzen will, ohne stark in die Rechte der Jugendlichen einzugreifen und diese ständig überwachen zu müssen (will man konsequent das Verbot umsetzen). An der technischen Umsetzung hängt meiner Ansicht nach viel. Hier würde ich mir eine differenzierte Diskussion wünschen, denn es gibt mitunter große Unterschiede zwischen den Plattformen und die Nutzung ist ja auch sehr individuell. Zudem besteht natürlich die Möglichkeit, dass andere Plattformen, die vielleicht nicht durch die Altersbeschränkung erfasst werden, ihren Funktionsumfang erweitern und ähnliche Mechanismen wie bspw. Instagram integrieren. So etwas sehen wir jetzt schon bei WhatsApp, wo neben der Chatfunktion auch Stories geteilt werden können, ähnlich wie bei Instagram.

Meine Befürchtung wäre aber vor allem, dass ein Social Media Verbot für Jugendliche für die Politik eine vorgeschobene Aktion sein könnte, um zu suggerieren, dass man die Probleme der Gesellschaft ja angeht — auf Kosten der Jugendlichen. Dass wir dringend auch an vielen anderen Stellen, etwa im Bildungsbereich, politischen Handlungsbedarf haben, der nicht durch ein Social Media Verbot adressiert wird, sollte nicht in dieser Verbotsdebatte ausgeblendet werden.

Zudem wird meiner Meinung nach die Verbots-Diskussion recht einseitig geführt. Die Stimme der Jugendlichen findet auch in dieser Debatte nicht oder nur wenig Gehör. Was wir wirklich brauchen ist ein Verständnis für die Lebensrealität von Jugendlichen, eine öffentlichemDiskussion über unsere Abhängigkeit von Plattformen im Allgemeinen (nicht nur die der Jugendlichen) sowie vor allem eine Verankerung von Angeboten zur Förderung von Medienkompetenz — für alle Altersgruppen! Denn hinter der Nutzung sozialer Medien stehen ja auch Bedürfnisse, etwa nach Vergemeinschaftung mit Gleichgesinnten, die irgendwie aufgefangen werden müssen. Hier muss viel getan werden, um zu verstehen, wie wir diese positiven Seiten von sozialen Medien nutzen und pädagogisch bearbeiten können.

3. Was spricht für, was gegen ein solches Verbot?

Für ein solches Verbot bzw. eine Altersbeschränkung spricht eine mögliche Orientierungsfunktion: Es kann entlastend sein, vor allem für Eltern und Lehrkräfte, die ja häufig in letzter Instanz die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen regulieren oder dies zumindest versuchen. Diese können sich dann auf die Altersbeschränkung berufen. Ob das Verbot die gewünschten Wirkungen entfaltet, bliebe dann abzuwarten.

Dagegen spricht, zum einen, dass ein Verbot dazu führen könnte, dass soziale Medien nur noch reizvoller werden. Wer die Plattformen nutzen will, findet dann vermutlich auch einen Weg. Man darf auch nicht vergessen, dass die großen Tech- Unternehmen, die hinter den Plattformen stehen, ein großes Interesse daran haben, dass man weiterhin ihre Produkte nutzt. Es kann natürlich passieren, dass sie andere Wege finden, die Zielgruppe zu erreichen, so wie es eben schon mit WhatsApp geschieht, wo sich teilweise Funktionalität mit hoher Ähnlichkeit zu Instagram wiederfinden. Dahinter steht der gleiche Konzern: Meta. Aus dieser Sicht wäre es ebenfalls wichtig, die Unternehmen mehr in die Verantwortung zu nehmen und strenger zu regulieren — das wäre vermutlich für uns alle ein wichtiger Schritt. Was man auch nicht außer Acht lassen sollte, sind die positiven Aspekte von sozialen Medien. Vor allem für Jugendliche können soziale Medien Möglichkeitsräume sein, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, Freundschaften zu schließen und Communities zu finden, die sinn- und identitätsstiftende Funktionen entfalten können. Dies kann beispielsweise für Jugendliche der LGBTIQ*-Community extrem wichtig sein. Außerdem darf man nicht vergessen, dass auch Jugendliche ein Recht auf Information durch Medien haben, was zumindest teilweise durch soziale Medien abgedeckt wird. Zudem können Social Media Plattformen auch Räume kreativer Entfaltung und der Persönlichkeitsentwicklung sein. Die eigene Kunst etwa anderen über Social Media zu präsentieren und dafür Anerkennung zu erhalten kann eine sehr wertvolle Erfahrung sein.

4. Können Kinder ohne Social Media „besser geschützt“ werden?

Es stellt sich ja immer die Frage, vor wem oder was und mit welchen Mitteln man Kinder “schützen” will oder kann — und welche Rolle man dabei den Kindern und Jugendlichen selbst zuschreibt. Natürlich möchte man vermeidbaren Schaden von ihnen abwenden. Doch zum Aufwachsen in einer digitalisierten Welt gehört auch, digitale Medien kennen- und nutzen zu lernen. Insofern müssen sich (vermeintlich) schützende Maßnahmen mit den dazu nötigen Freiräumen die Waage halten. Vor allem aber sollte zu keinem Zeitpunkt der Eindruck entstehen, man könne Social Media für eine bestimmte Altersgruppe einfach verbieten und dadurch sei zu dem Thema alles gesagt oder getan. 

5. Lernen Kinder ohne Social Media trotzdem einen guten Umgang mit Medien?

Diese Frage lässt sich keinesfalls pauschal beantworten. Das Spektrum an Medien, die unsere Lebenswelt maßgeblich prägen ist ja weitaus breiter als Social Media — die sich übrigens auch nicht so einfach alle über einen Kamm scheren lassen. Zudem kann das, was als “guter Umgang” gilt, ja auch stark variieren. Fakt ist, dass digitale Medien unsere Lebenswelt durchdringen und wir, um an ihr teilzuhaben, ein gewisses Maß an Medienkompetenz benötigen. Dies bedeutet aber nicht nur, diese Medien zu nutzen, sondern auch, sie und ihre Rolle in unserer Lebensrealität kritisch zu betrachten, uns selbst zu ihnen in Bezug zu setzen, unsere digitale Welt mitzugestalten und immer am Ball zu bleiben — denn Medien entwickeln sich ja auch immer weiter. Dazu brauchen wir entsprechende Angebote, um die Medienkompetenz zu fördern und diese können vielfältige Formen annehmen.

6. Welche Rolle sollten Eltern beim Umgang mit Social Media spielen?

Erziehungsberechtigte und Betreuungspersonen spielen natürlich eine wichtige Rolle, wenn es um das Thema Umgang mit Medien im Allgemeinen geht. Die Familie bzw. der Haushalt ist ja meist der erste Ort, der die Mediensozialisation von Heranwachsenden maßgeblich prägt. Natürlich können die Themen Smartphone und Social Media zu Konflikten und Spannungen in der Familie führen, etwa wenn die Erziehungsberechtigten nicht mit den Nutzungsgewohnheiten von Heranwachsenden einverstanden sind. Die Themen sind natürlich auch für Eltern und andere Bezugspersonen belastend, denn die allermeisten nutzen ja selbst Smartphones und Social Media und sollen dann dafür sorgen, die Nutzung der Heranwachsenden in ihrem Haushalt zu regulieren, was mit Sicherheit zu vielen Diskussionen führen kann. Ich denke, Erziehungsberechtigte stehen da vor großen Herausforderungen, denn Social Media decken ja oft auch mehrere Funktionen gleichzeitig ab. So wird es umso brisanter, wenn etwa alle Mitschüler*innen Social Media nutzen und man den Heranwachsenden dann möglicherweise Möglichkeiten nimmt, an der Klassengemeinschaft teilzuhaben.

Wichtiger als Kontrolle und das strenge Umsetzen von Verboten ist meines Erachtens auch, im Gespräch zu bleiben, ein offenes Ohr für die Bedürfnisse von Heranwachsenden zu haben, sie nicht bloßzustellen und das Thema der Mediennutzung mit Scham zu überziehen. Die Beziehung zu den Heranwachsenden sollte im Vordergrund stehen und dazu gehört auch, sich gegenseitig zu vertrauen und einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander zu ermöglichen.

7. Welche Verantwortung haben Schulen?

Die Schule ist, neben dem familiären Umfeld, die zweite wichtige Instanz für die Mediensozialisation und die Vermittlung von Medienkompetenz. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen, was oft genug nicht der Fall ist. Hier geht es nicht nur um Geräte, sondern vor allem um Personal. Lehrkräfte werden neben dem Unterricht mit immer mehr Verantwortlichkeiten belastet, zudem herrscht bekanntermaßen an vielen Schulen ein kritischer Mangel an Lehrkräften. Es braucht hier medienpädagogische Fachkräfte sowie Schulsozialarbeiter*innen, die die Lehrkräfte unterstützen. Zudem braucht es einen guten Austausch und klare Konzepte, um damit als Schulgemeinschaft umzugehen. Auch hier sollte man ein offenes Ohr für die Heranwachsenden haben und ihre Sichtweise mit einbeziehen. Egal wie, ich denke, man muss hier eng zusammenarbeiten, auch mit den Erziehungsberechtigten.

8. Könnte ein Verbot dazu führen, dass Kinder Social Media heimlich nutzen?

Mit Sicherheit, denn die große Anziehungskraft, die von Social Media ausgeht, bleibt ja bestehen und wird gegebenenfalls durch ein Verbot sogar verstärkt.

9. Und wäre das nicht noch schlimmer?

Da kommt es natürlich auch wieder stark drauf an, wie sie es nutzen, insofern lässt sich da keine pauschale Antwort formulieren. Natürlich können Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte, die den Heranwachsenden ja meistens zuallererst die notwendigen Strukturen bereitstellen, um überhaupt mit Social Media in Kontakt zu kommen (Smartphones, Laptops, Internetzugang etc.) die Nutzung stärker regulieren, wenn sie wissen, wie und in welchem Umfang Heranwachsende diese nutzen. Natürlich kann es andererseits auch wieder zu Konflikten und Spannungen kommen, wenn Heranwachsende hinter dem Rücken ihrer Erziehungspersonen und Lehrkräfte agieren. Allerdings sollte man auch überlegen, inwieweit man in der Familie oder in der Schule eine Atmosphäre ständiger Kontrolle aufrechterhalten will, um etwa die heimliche Nutzung um jeden Preis zu verhindern.

In gewisser Weise wäre es aber vielleicht auch normal, dass Heranwachsende sich und ihre Grenzen ausprobieren und man müsste auch Verständnis für sie aufbringen, wenn sie Verbote umgehen. Vor allem, da Erwachsene ab einem bestimmten Alter ja weiterhin Social Media wie gewohnt nutzen würden und die Heranwachsenden unter 16 das vielleicht nicht so gut nachvollziehen könnten und auch (vielleicht berechtigt) das Verbot hinterfragen. In gewisser Weise wäre es aus pädagogischer Sicht aber auch eine verpasste Chance, denn erst wenn man offen und ehrlich miteinander umgeht, kann man ja überhaupt ins Gespräch kommen und die Mediennutzung gemeinsam pädagogisch bearbeiten.

10. Trifft ein solches Verbot alle Kinder gleich?

Nein. Wie schon gesagt, können bestimmte Gruppen in besonderer Weise von einzelnen Aspekten von Social Media profitieren und diese Möglichkeiten fallen dann möglicherweise weg. Auch das muss man differenziert betrachten. Was einzelne Funktionen oder Aspekte von Social Media für individuelle Personen bedeuten und was dann deren Wegfall bedeuten würde, kann man mit Blick auf die Lebensrealität in unserer vielfältigen und in vieler Hinsicht ungleichen Gesellschaft nicht pauschal beantworten. Gerade auch für Kinder, die etwa von Flucht und Migration betroffen sind und vielleicht über soziale Medien mit Menschen in der Heimat in Kontakt bleiben oder die Lage im Heimatland verfolgen, kann ein Verbot natürlich sehr dramatische Folgen haben. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es für manche Familien und Heranwachsende auch entlastend sein kann, wenn beispielsweise die Eltern die Nutzung von Social Media sowieso einschränken und alle anderen in der Klasse etwa die Plattformen nutzen dürfen. Insofern könnte ein solches umfassendes Verbot zumindest theoretisch auch angleichende Effekte haben. Man weiß auch, dass in sozial schwächer gestellten Familien die exzessive und unregulierte Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen ein größeres Problem darstellt. Auch hier spielt die individuelle Konstellation eine wichtige Rolle — inwieweit die Eltern und Lehrkräfte etwa zuvor die Nutzung schon reguliert haben, oder eben nicht.

11. Was passiert, wenn Jugendliche erst ab 16 plötzlich Zugang zu Social Media bekommen?

Das muss empirisch erforscht werden, alles andere bleibt erstmal Spekulation. Die in Australien im Dezember eingeführte Altersbeschränkung ist bislang beispiellos und noch ist es zu früh, um da konkrete Aussagen zu treffen, zumal es ja auch stark darauf ankommt, wie der Übergang gestaltet ist. Ich könnte mir vorstellen, dass das Interesse an diesen Plattformen in zukünftigen Kohorten mit der Zeit immer mehr nachlassen könnte, da es sich bei der Anziehungskraft der Plattformen ja auch um Netzwerkeffekte handelt — wenn niemand von den Peers mehr auf einer Plattform ist, verändern sich mit der Zeit auch deren Inhalte und es gibt möglicherweise weniger Gründe, diese nutzen zu wollen. Andererseits besteht natürlich, wie schon gesagt, die Gefahr, dass andere Plattformen, die vom Verbot zunächst nicht erfasst werden, ihren Funktionsumfang ausweiten und die Kinder und Jugendlichen diese dann vermehrt benutzen. Das sind aber, wie gesagt, eher Mutmaßungen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Lage in Australien in den nächsten drei, fünf oder 10 Jahren dahingehend entwickelt. So oder so leben wir weiterhin in einer von digitalen Medien durchdrungenen Welt und die Uhren lassen sich nicht zurückdrehen — insofern gibt es nur bedingt eine" Rückkehr” in eine Zeit vor Social Media.

12. Warum eigentlich überhaupt 16 und nicht 18 oder 14?

Dafür gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine wirklich überzeugenden Argumente. Ich denke, diese Zahl ergibt sich auch aus einem historisch gewachsenen gesellschaftlichen Verständnis für Lebensphasen. Für viele endet mit 16 die Lebensphase “Kindheit”; das 16. Lebensalter gilt in vielen Ländern als Eintritt in eine neue Phase, in der mehr Rechte und Pflichten erlangt werden. In Deutschland darf ab 16 Jahren Bier und Wein getrunken werden und in den USA darf man mit 16 Jahren den Führerschein machen. Auf Medien bezogen orientiert man sich in Deutschland evtl. auch an den Altersstufen der FSK, der zentralen Einrichtung zur Prüfung von Medien im Sinne des Jugendmedienschutz.

13. Gibt es aus Ihrer Sicht bessere Alternativen zu einem Verbot?

Ich denke, wie gesagt, dass ein Verbot alleine nicht die Lösung sein kann, schon gar nicht für alle genannten Probleme, die mit dem Verbot “gelöst” werden sollen. Wie schon gesagt, ist ein Verbot auch mit Risiken und Nachteilen verbunden. Zudem gibt es auch Bedenken zum Datenschutz. Da hängt, wie gesagt, auch vieles an der technischen Umsetzung. Man muss die Risiken abwägen und als gesamte Gesellschaft diskutieren. Der Weg hin zu einer Regelung ist meines Erachtens genauso wichtig, wie die Regelung selber, da diese dann erst auf breitere Akzeptanz stoßen kann. Ich möchte an dieser Stelle nochmal betonen, dass ein Verbot zwar den Anschein erwecken mag, viele der oben genannten Probleme quasi auf einen Schlag zu lösen. Dass wir jedoch als Gesellschaft immer wieder auf’s Neue Wege finden müssen, mit den Herausforderungen unserer digitalisierten Welt umzugehen, die sich nicht so einfach mit einem Verbot für eine bestimmte Gruppe lösen lassen, darf nicht unter den Tisch fallen. Dazu ist die Förderung von Medienkompetenz und die Stärkung sozialer Strukturen, innerhalb derer sich die Heranwachsenden entwickeln, unerlässlich.