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Portrait von Dr. Stephanie Heß auf dem Mensavorplatz der Uni Magdeburg
13.02.2026 aus 
Forschung + Transfer
Kindern eine Stimme geben

Wenn Dr. Stephanie Heß morgens das Gebäude 40 der Universität Magdeburg betritt, spürt sie immer noch dieselbe Begeisterung wie zu Studienzeiten. „Ich werde dafür bezahlt, Fragen nachzugehen, die mich faszinieren und darf dieses Wissen auch noch an Studierende weitergeben“, sagt sie. Denn für die Sozialwissenschaftlerin vom Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Makrosoziologie der Uni Magdeburg ist Forschung kein Job, sondern eine Berufung. Ihre Faszination für Themen, wie Familienforschung, Lebenszufriedenheit oder soziale Ungleichheiten entdeckte sie bereits während ihres Studiums in Sozialwissenschaften an der Universität Rostock.

Nach dem Studium begann Stephanie zunächst in der Pharmamarktforschung. Ihre Gedanken kreisten jedoch weiterhin um Familienforschung und Soziale Ungleichheiten. Insbesondere der Gedanke, dass die Lebensläufe und Chancen eines Kindes von deren Familien stark geprägt werden, ließ sie nicht los. Für Heß war klar, dass es eine Veränderung brauchte. So begann sie 2017 ihre Promotion an der Fakultät für Humanwissenschaften, um der Frage nachzugehen, wie sich Familienverhältnisse auf das Wohlbefinden von Kindern auswirken.

Bei der Recherche fiel Stephanie Heß auf, dass zum Wohlergehen von Kindern häufig nur die Eltern befragt werden, nicht aber die Kinder selbst. Das Problem: Eltern projizieren ihr eigenes Wohlbefinden auf ihre Kinder und überschätzen gleichzeitig, wie stark sich ihr eigenes Wohlbefinden auf das Kind auswirkt. „Dabei machen Kinder 15% der europäischen Gesellschaft aus und haben genauso ein Recht auf Sichtbarkeit in der Zufriedenheitsforschung“. Das motivierte Heß dazu Kindern in ihrer Arbeit Raum zu geben, um selbst über ihr Wohlbefinden zu sprechen. In ihrer Dissertation „Family Matters: A Multisystem Investigation of Children’s Subjective Well-Being“ untersuchte sie, wie Erfahrungen und Belastungen von Eltern, das Wohlbefinden von Kindern beeinflussen. Dabei schaute sie vor allem auf die Eltern-Kind-Beziehung, die Beziehungen der Bezugspersonen zueinander, aber auch auf Einflüsse, wie die Arbeitswelt der Eltern oder kulturelle Normen und Werte.

Die Ergebnisse zeigen, dass familiäre Belastungen, wie Depressionen oder Streit, weniger entscheidend für das Wohlbefinden von Kindern sind, als die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung“, erklärt die Wissenschaftlerin. So seien zwar Familien weltweit für das Wohlbefinden von Kindern wichtig, dabei sei aber gar nicht so relevant, was um sie rum passiere, viel relevanter sei, wie Eltern mit Kindern umgehen und kommunizieren. Kinder spiegelten viel von dem, was ihnen vorgelebt würde, fügt sie an.

Den Weg zur Promotion beschreibt Stephanie Heß als „geistige Unabhängigkeitserklärung“. Eine Zeit die sie geprägt hat und in der sie sich beständig von der Leidenschaft ihrer Kollegschaft mitreißen lassen durfte. „Eine Promotion bedeutet, über sich hinauszuwachsen. Man lernt auf sich selbst zu vertrauen, die eigene Forschung zu verteidigen und man schließt lebenslange Freundschaften“, fasst sie rückblickend ihre Zeit als Doktorandin zusammen.

Stephanie Heß auf der ISQOLS v.l.n.r. Annie Tubadji (Co-Vice Presidents of Membership & Regional Affairs der ISQOLS); Stephanie Rossouw (President der ISQOLS), Dr. Stephanie Heß und Jill Johnson (Executive Director der ISQOLS) (c) privat

Dr. Stephanie Heß Stephanie Heß auf der ISQOLS v.l.n.r. Annie Tubadji (Co-Vice Presidents of Membership & Regional Affairs der ISQOLS); Stephanie Rossouw (President der ISQOLS), Dr. Stephanie Heß und Jill Johnson (Executive Director der ISQOLS) (Foto: privat)

Für ihre Dissertation erhielt Dr. Stephanie Heß den renommierten Best PhD Dissertation Award on Quality of Life, Well-being, and Happiness der ISQOLS (International Society for Quality of Life Studies). Ein internationaler Erfolg bei dem Forschende der University of Honingen Platz 2 und der University of Oxford Platz 3 belegten. Heute arbeitet Stephanie Heß als Postdoktorandin am Lehrstuhl von Prof. Jan Delhey, wo sie den Bereich der makrosoziologischen Familien vertieft. Ihr langfristiges Ziel ist eine Professur.

Autor:in: Isabell Meißner