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12.01.2026 aus
Forschung + Transfer
Tanzen und Leben mit Parkinson

Wenn die Musik einsetzt, verndert sich etwas im Raum. Die Krper richten sich auf, die Schritte werden sicherer und die Gesichter weicher. Fr viele Menschen mit Parkinson ist Bewegung mit Unsicherheit verbunden. Doch hier, in der Sporthalle 2 der Otto-von-Guericke-Universitt Magdeburg in der Zschokkestrae 32, scheint diese Unsicherheit fr einen Moment zu verschwinden. Seit Frhjahr luft an der Universitt ein international entwickeltes Tanz- und Musikprogramm, dass das Gehirn vielseitig multisensorisch stimuliert und anregt motorische Schwierigkeiten zu kompensieren. Nach dem Abschluss der ersten Studienkohorte im September zeigt sich ein auergewhnlich positives Bild: Alle Teilnehmenden erlebten das Tanztraining als sehr bereichernd und berichteten von sprbaren Verbesserungen im Alltag sowohl krperlich als auch mental.

Das insgesamt achtzehnwchige Tanzprogramm kombiniert feststehende Choreografien mit angeleiteten Improvisationsphasen und schafft so einen einzigartigen Raum, in dem Bewegung, Kreativitt und Lebensfreude wieder selbstverstndlich werden. Viele Teilnehmende beschrieben, wie sie sich durch den Tanz neu mit ihrem Krper verbunden fhlten und bislang ungewohnte Ausdrucksmglichkeiten entdeckten.

Die Ergebnisse der ersten Studienphase zeichnen ein klares Bild: Die Teilnehmenden berichteten von sichtbaren Verbesserungen in Bewegungsablufen, grerer Stabilitt, mehr Aktivitt im Alltag und von etwas, das sich nur schwer messen lsst: von neuer Zuversicht.

Der Erfolg des Programms liegt vermutlich in seinem ganzheitlichen Charakter. Krperliche Frderung ist untrennbar mit Kreativitt, emotionaler Strkung und sozialer Einbindung verbunden. Fr viele Betroffene entsteht daraus ein Raum, in dem sie sich nicht ber ihre Erkrankung definieren mssen, sondern ber ihre krperliche und mentale Fitness. Der Austausch ber persnliche Erfahrungen, das gemeinsame ben und die Musik wurden als besonders wohltuend und strkend erlebt. Neben sichtbaren Verbesserungen bei Bewegungsablufen und Gleichgewicht rckten vor allem Freude, Mut und ein Gefhl von Verbundenheit in den Mittelpunkt. Ein Blick in die Testergebnisse zeigt einen deutlichen Effekt, insbesondere bei einer alltagsnahen bung: dem Aufstehen von einem Stuhl. Die Teilnehmenden des Programms erzielten nach nur 18 Wochen beeindruckende Fortschritte: Die Zeit, die sie bentigten, um fnfmal ohne Untersttzung mit den Hnden auf- und wieder abzusitzen, verkrzte sich im Durch-schnitt um vier Sekunden. Ein deutliches Signal dafr, dass sowohl die Beinkraft als auch die Sicherheit beim Wechsel zwischen Sitzen und Stehen sprbar zugenommen haben. Auch beim Gehen zeigte sich ein klarer Effekt: Auf einer 10-Meter-Strecke erhhten die Teilnehmenden ihre Gehgeschwindigkeit um rund zehn Prozent. Diese Verbesserungen unterstreichen, wie sehr regelmiges krperliches und mentales Training, kombiniert mit Musik, die Lebensqualitt strken kann. Das besttigt auch ein Blick auf das seelische Wohlbefinden. Gemessen mit dem international anerkannten WHO-5-Fragebogen stieg dieses im Verlauf des Tanzprogramms um etwa 22 Prozent. Ein solcher Wert steht fr deutlich mehr Energie und Lebensfreude und gilt wissenschaftlich als Hinweis auf eine verbesserte psychische Gesundheit.

Viele Teilnehmende mchten daher weitermachen und haben sich entschieden, weiterhin an einem Parkinson-Tanzprogramm des Universittssportclubs teilzunehmen, um ihre neu gewonnenen Bewegungskompetenzen zu festigen und langfristig zu erhalten.

Auerdem sind weitere Studien zu Beginn des Jahres geplant und eine Teilnahmeanmeldung ist ab sofort mglich. Wer zweimal wchentlich (immer mittwochs und freitags) an einem 18-wchigen Tanztraining teilnehmen mchte, ist herzlich willkommen. Auch Angehrige und Begleitpersonen sind herzlich eingeladen. Interessierte knnen sich direkt bei Ulrike Gro melden und Teil dieses wachsenden Projekts werden.

Autor:in: Prof. Anita Hkelmann