Roboter, die Schrauben erkennen, Hindernisse umfahren und selbstständig entscheiden, wie sie eine Aufgabe lösen: Daran arbeitet das studentische Team robOTTO an der Uni Magdeburg. Die Initiative entwickelt und baut Roboter für den RoboCup.
Dabei handelt es sich um einen internationaler Robotik-Wettbewerb mit den verschiedenen Ligen Fußball, Home- und Rescue-Robotik sowie Work und Logistik. Die beiden Industrie-Ligen Work und Logistik wurden inzwischen zur Smart-Manufacturing-Liga mit einer komplexeren Aufgabenstellung zusammengeführt.
Für den 31-Jährigen Adrian Köring ist der RoboCup mehr als nur ein Wettkampf. „Der RoboCup bietet einen Rahmen, in dem wir Studierenden verschiedene praktische Projekte passend zu ihren eigenen Interessen und Stärken anbieten können. So können wir ihnen auch innerhalb ihres Studiums, beispielsweise während Software- oder Gruppenprojekten sowie bei Abschlussarbeiten spannende Aufgabenstellungen bieten. Der Wettbewerb schafft den Ansporn, tatsächlich etwas fertigzustellen“, erläutert er. Der Promotionsstudent der Fakultät für Informatik begleitet das Team als wissenschaftlicher Mitarbeiter.
Das Team robOTTO wurde 2010 gegründet und nahm anfangs in der Logistik-Liga teil, bevor es dann später in die Work-Liga des RoboCups wechselte. „Da ich selbst erst seit 2018 im Team bin, kenne ich diese 'Epoche' nur aus Erzählungen“, berichtet Adrian Köring. Er selbst ist zu robOTTO über ein Software-Projekt gekommen. „Für mich war es neben den ganzen Uni-Kursen ganz schön an Dingen zu arbeiten, die am Ende der Klausurenphase nicht einfach auf der Festplatte verstauben“, erzählt der Doktorand mit einem Schmunzeln.

Circa zehn Studierende arbeiten bei robOTTO aktuell an den Robotern. (Foto: robOTTO)
Innerhalb der Universität ist das Projekt in der Arbeitsgruppe Autnomous Multisensor Syteme angesiedelt und befindet sich unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Benjamin Noack. Die Arbeitsgruppe erforscht, wie autonome Systeme mithilfe mehrerer Sensoren Daten zusammenführen, ihre Umgebung zuverlässiger wahrnehmen und sich sicher navigieren beziehungsweise lokalisieren können. Dieses Wissen fließt auch in die praktische Arbeit des vom robOTTO ein.
Circa zehn Studierende arbeiten aktuell an den Robotern. Betreut werden sie neben Adrian König auch von Hauke Petersen und Franziska Labitzke zusammen, die ebenfalls als wissenschaftliche Mitarbeitende an der Fakultät tätig sind. „Die Studierenden kommen besonders aus den mathematisch-technischen Studiengängen“, erklärt Adrian Köring. „Da wir an allen Aspekten unserer Roboter arbeiten, gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Wir können Unterstützung aus allen Fachrichtungen immer gut gebrauchen“, so der Promotionsstudent.
Aktuell arbeitet robOTTO mit zwei Robotern vom Modell „youBots“ vom Hersteller „Kuka“. „Einer davon heißt Franklin und wird von unseren Studierenden mit neuen Ideen und Verbesserungen überarbeitet, während der andere mit dem Namen Euler bei den aktuellen Wettbewerben und verschiedenen Demonstrationen sein Bestes gibt“, erläutert Adrian Köring.
„Anders als bei 'klassischen' Robotern, bekommen unsere Modelle keine millimetergenauen Bewegungsanweisungen. Stattdessen müssen sie selbst ermitteln, wie sie beispielsweise eine Schraube von einem Ort zum anderen bringen. Dabei tauchen plötzlich Hindernisse auf, die vorher nicht da waren und die die Roboter umfahren müssen. Am Arbeitsplatz angekommen, müssen sie mit ihrer Kamera zunächst das gesuchte Objekt unter einer Vielzahl anderer Objekte identifizieren und berechnen, wo genau es vor ihnen liegt. Erst dann können sie es mit ihrem Arm greifen“, beschreibt der 31-Jährige.
Manchmal kommt es dabei auch zu Schwierigkeiten, die die Roboter ebenfalls eigenständig lösen müssen. „Als Team können wir unseren Roboter lediglich bestmöglich für den Wettbewerb vorbereiten“, erklärt Adrian Köring. „Nach dem Start dürfen wir nicht mehr eingreifen. Dann heißt es im Lauf nur hoffen und bangen, ob es dieses Mal klappt. Das macht es für uns manchmal fast spannender als für das Publikum“, so der Promotionsstudent.

Roboter Euler bei dem German Open 2026. (Foto: robOtto)
Während seiner Zeit bei robOTTO blickt Adrian Köring auf viele Highlights, aber auch Herausforderungen zurück. „Unter uns bei robOTTO scherzen wir häufig, dass wir die 'ewigen Zweiten' sind“, berichtet der 31-Jährige mit einem Schmunzeln. „In den vergangenen Jahren sind wir mal mehr, mal weniger nah am ersten Platz vorbeigeschrammt. Beim RoboCup in Sydney im Jahr 2019 sehr knapp: Bei einer Gesamtpunktzahl von etwa 3.000 Punkten fehlten uns am Ende nur 50 Punkte zum Weltmeistertitel“, erinnert sich Adrian Köring.
Aktuell befindet sich das Team robOTTO in einer großen Umstrukturierungsphase, da sich der RoboCup durch die Zusammenführung der Smart Manufacturing League neu ausgerichtet hat. Ziel ist es, dass das Team auch bei der nächsten Weltmeisterschaft teilnehmen kann, die dann 2027 in Nürnberg ausgetragen wird.
„Im Vordergrund steht damit nun nicht nur der Transport, sondern auch die Produktion von Objekten“, erklärt Adrain Köring. „In der neuen Liga werden Klemmbausteine für Kinder verwendet, die sich zu vielen verschiedenen Produkten zusammensetzen lassen. Dafür soll unser Roboter „Franklin“ neue Finger erhalten, um die Klemmbausteine präzise greifen zu können. Parallel arbeiten wir auch an einer Aktualisierung unserer Software. Das stellt uns vor neue Herausforderungen“, so der 31-Jährige.
Trotzdem bleibt Adrian Köring optimistisch. Für ihn ist robOTTO vor allem ein Ort, wo Studierende ausprobieren, Verantwortung übernehmen und gemeinsam an echten technischen Herausforderungen arbeiten können. Neue Mitglieder sind deshalb jederzeit willkommen: „Wir freuen uns immer über interessierte Studierende und heißen alle willkommen, unabhängig von jeglichen Vorkenntnissen! Das Wichtigste sind Neugier und Motivation. Alles andere lernen wir gemeinsam“, so der Promotionsstudent abschließend.