Brennende Seifenblasen, Feuertornados und elektrische Entladungen mit Hunderttausenden Volt: Bei der Physikshow der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wird Physik zur Bühnenshow. Die studentische Initiative Physikshow verbindet seit rund zwei Jahren Theater und Experimentalphysik. In eigens geschriebenen Geschichten werden wissenschaftliche Versuche Teil einer Handlung, mal als Krimi, mal als Weihnachtsgeschichte oder als Wettstreit zwischen Teams.
„Oft fehlt in der Schule diese Greifbarkeit“, sagt Mitgründerin Nicole Jaroscakova, sie studiert im vierten Semester Physik im Bachelor. „Viele kennen Physik nur als Formeln an der Tafel. Wir wollen zeigen, dass dahinter etwas steckt, das man wirklich erleben kann.“
Gemeinsam mit Dr. Martin Quast, Lehrkraft für besondere Aufgaben, organisierte Nicole Jaroscakova zum Tag der Physik 2024 die erste Version der Physikshow. Beim Tag der Physik lädt das Institut für Physik der Uni Magdeburg jedes Jahr die Magdeburgerinnen und Magdeburger dazu ein, alles, was Physik betrifft, kennenzulernen. „Damals war das noch eine reine Experimentiershow, bei der es noch keine richtige Handlung gab. Das wollten wir ändern“, erinnert sich die 20-Jährige.
Aus der Idee wurde ein dauerhaftes Projekt. Nach und nach schlossen sich weitere Studierende an. „Nach den ersten beiden Aufführungen haben wir gesagt: Das soll nicht nur ein einmaliges Projekt bleiben“, so Nicole Jaroscakova. „Dann haben wir beschlossen, eine studentische Initiative zu gründen.“
Heute gehören 13 Mitglieder zur Gruppe. „Zwei helfen beim Aufbau der Versuche und kümmern sich um die Sammlung“, erklärt Nicole Jaroscakova. „Fünf stehen aktiv auf der Bühne. Der Rest übernimmt Organisation, Technik und alles, was im Hintergrund läuft.“ Neben Physikstudierenden sind auch eine Mathematikingenieurin, ein Informatikstudent und eine Designstudentin beteiligt. „Das ist für uns total wertvoll, weil jeder andere Perspektiven mitbringt.“

Nicole Jaroscakova bei der Physikshow beim Studieninfotag 2026 (Foto: Jana Dünnhaupt/Uni Magdeburg)
Getroffen wird sich alle zwei Wochen montags. „Das sind meist sehr entspannte Treffen“, sagt Nicole Jaroscakova. „Wir haben oft ein Snack-Buffet, manchmal planen wir neue Shows oder drehen Erklärvideos und manchmal machen wir einfach einen Spieleabend.“ Kurz vor einer Aufführung werde es allerdings intensiv: „Dann treffen wir uns teilweise täglich. Erst schreiben wir das Skript, dann bauen wir die Experimente auf, und am Ende proben wir alles durch.“
Aufgeführt wird die Show meist im Hörsaal 5 auf dem Campus. „Das ist unsere liebste Spielstätte“, sagt Nicole Jaroscakova. „Dort haben wir alles, was wir brauchen: Technik, Platz und die Möglichkeit, unsere Experimente richtig wirken zu lassen.“
Jede Show folgt einer eigenen Geschichte. „Mal machen wir eine Sherlock-Holmes-Geschichte mit einem neuen Fall, mal eine Weihnachtsgeschichte nach Dickens“, erzählt die Physikstudentin. „Oder wir lassen Experimente in einem Wettbewerb gegeneinander antreten.“ Dabei stehe die Handlung immer im Vordergrund: „Die Physik soll sich aus der Geschichte ergeben, nicht umgekehrt.“
Die Shows dauern zwischen 45 und 90 Minuten. Zum Einsatz kommen verschiedene Experimente: von Wärmebildkameras bis zu Hochspannungsvorführungen. „Alles, was knallt, brennt oder sich bewegt, kommt beim Publikum gut an“, sagt Nicole Jaroscakova und lacht.
Ihr persönliches Lieblingsexperiment sind brennende Methanseifenblasen. „Man mischt Seifenwasser mit Methan, sodass brennbare Blasen entstehen“, erklärt Nicole Jaroscakova. „Ich nehme sie auf die Hand und zünde sie an. Dann sieht man eine große Flamme, die wieder erlischt, sobald ich die Hände auseinanderziehe.“ Gefährlich sei das auf den ersten Blick zwar, sagt Nicole Jaroscakova, „aber das Wasser schützt die Haut. Das Feuer kommt gar nicht direkt an mich heran.“
Besonders die Reaktionen des Publikums bleiben ihr im Gedächtnis. „Nach der Show kommen oft Kinder nach vorne und wollen alles selbst ausprobieren“, sagt Nicole Jaroscakova. „Das ist für uns das Schönste, diese direkte Begeisterung zu sehen.“
Auch die Wirkung gehe manchmal weiter, als erwartet. „Es gab tatsächlich jemanden, der unsere Show gesehen hat und danach gesagt hat, er möchte Physik studieren“, erzählt Nicole Jaroscakova. „Das war für mich ein ganz besonderer Moment.“
Finanziell ist die Initiative allerdings nicht auf sicheren Beinen. „Wir haben leider kein großes Budget“, sagt Nicole Jaroscakova. „Dieses Jahr wurden wir über einen Fonds der Uni für die Produktion von Erklärvideos unterstützt. Aber langfristig müssen wir schauen, dass wir Sponsoren finden.“
Trotzdem wächst das Projekt weiter. „Wir wollen künftig auch an Schulen gehen und dort Shows machen“, sagt Nicole Jaroscakova. Außerdem seien neue Aufführungen bereits in Planung, darunter eine Fortsetzung der Sherlock-Holmes-Geschichte sowie die Weihnachtsvorlesung und der Tag der Physik im November 2026.
Wer mitmachen möchte, braucht keine Vorkenntnisse. „Das Wichtigste ist, dass man Lust auf Teamarbeit hat“, sagt Nicole Jaroscakova. „Alles andere lernt man bei uns.“ Interessierte könnten einfach zu einem Treffen kommen oder sich per Mail oder Instagram melden.